Stolperstein: «Bekenntnis»

Im Kreuzworträtsel ist es noch am einfachsten: Da ist «Bekenntnis» einfach Synonym für «Überzeugung».

Aber was bekennen wir tagaus, tagein nicht alles? Vor Gericht bekennt der Angeklagte seine Unschuld, der Vorstand des Fussballvereins bekennt sich zu seinem Spieler, obwohl er früher einmal mehr Tore schoss. Beim Jassen muss ich irgendwann Farbe bekennen. Dem Politiker, der vor den Wahlen vollmundig umfangreiche Steuersenkungen verspricht, wird vorgeworfen, das seien Lippenbekenntnisse.

Im religiösen Sinne bringt ein Bekenntnis (lateinisch «confessio») die grundlegende Glaubensüberzeugung eines Einzelnen oder einer Glaubensgemeinschaft beziehungsweise Kirche zum Ausdruck. So drückt das im Gottesdienst häufig gesprochene Apostolische Glaubensbekenntnis (Apostolikum, 2. Jh.) den gemeinsamen christlichen Glauben aller Getauften aus.

Immer wieder wurde (mit Recht) die Frage gestellt, ob Christinnen und Christen des 21. Jahrhunderts das über anderthalb Jahrtausende alte gemeinsame Credo in Gestalt traditioneller Glaubenssätze einfach ohne Bedenken mitsprechen können: Was bedeuten Gottessohnschaft Jesu, Jungfrauengeburt Mariä, Höllenfahrt, Auferweckung und Himmelfahrt?

Der moderne Mensch ist bei diesen Begriffen verunsichert, Glaubenszweifel stellen sich ein. Zwar liegt die Stärke des Credo darin, dass seine Formulierungen, die über die Jahrhunderte immer mehr Verbindlichkeit erlangten, mich als Einzelnen entlasten, mir stets neu über meinen Glauben Rechenschaft geben zu müssen. Andererseits kann es sinnvoll sein, meinen Glauben neu in Worte zu fassen und in zeitgemässer Sprache zu formulieren.

Viele erinnern sich, dass im Rahmen des «Credo-Projekts» vor Jahren einmal auf Initiative von Hans Küng der Versuch unternommen wurde, das altkirchliche Bekenntnis ebenso in das persönliche Credo eines Programmierers, einer Anwältin und eines Dichters zu kleiden wie in das Credo von Pfarreiräten, Firmlingen und alleinerziehenden Eltern.

Herausgekommen sind eindrucksvolle Texte, die das Credo neu interpretieren und weiterschreiben. Zu denken gaben mir diese Zeilen, die im Religionsunterricht einer 3. Oberstufe entstanden sind: «Ich glaube nicht an die Kirche, die nur was für alte Leute ist. Sie hat mir als modernem Menschen fast nichts mehr zu bieten. Wir haben gelernt, was Glauben bedeutet, aber entscheiden selbst, ob wir glauben wollen. Wenn wir es wollen, ist es egal, was andere über uns sagen. Amen?!»

Ein starkes und ehrliches «Bekenntnis» von Jugendlichen im Ringen um ihren eigenen Glauben.

Text: Christian Cebulj Professor für Religionspädagogik und Katechetik an der THC