Unfassbar grosse Gemeinschaft

Die Feste Allerheiligen und Allerseelen erinnern mich an meine Sterblichkeit. Am Grab geliebter Menschen wird mir bewusst, dass auch ich dereinst unter der Erde liegen werde.

Die Feste erinnern mich zugleich auch, dass ich Teil einer unfassbar grossen Gemeinschaft bin, die Zeit und Raum durchwirkt.

Den Raum: Auf der ganzen Welt  leben im jetzigen Moment Menschen, die ihre Freude, ihr Tun, ihr Fragen und Scheitern mit Gott in Beziehung setzen. Das Wort «namenlose Heilige» deutet an, dass viele Menschen in ihrem schlichten Alltag heilig sind, unerkannt von säkularen oder kirchlichen Medien. Ihr Sein rührt mich tief an, weil es mich direkt an Gott, an seine Liebe, Freiheit, Grossherzigkeit, Schönheit, Demut erinnert.

Die Zeit: Unzählig viele Menschen sind mir auf einem Beziehungsweg mit Gott vorausgegangen. Einige wurden heiliggesprochen, haben in ihrer umfassenden Ausrichtung auf ihren Schöpfer derart geleuchtet, dass sich das ausgewirkt hat auf die Kraft ihrer Handlungen und auf den Eindruck, den sie bei anderen hinterliessen.

Sehr viele weitere wurden nicht heiliggesprochen, gingen ohne viel Aufsehen ihren Weg des Glaubens, treu, aufrichtig, zweifelnd. Ebenfalls sehr viele sind an sich selber, am Leben zerbrochen, haben gesucht und gerungen, Ausflüchte genommen, weil der Seelenschmerz nicht auszuhalten war. Sie alle gehören zur Gemeinschaft, an die ich denke an diesem Tag.

Wir alle auf dieser Welt werden eines Tages die Gemeinschaft hier auf Erden verlassen, und in die Gemeinschaft eintreten, welche die Zeit durchschritten hat, die in einem «Raum» lebt, für den wir weder Beweise noch Zahlen – nur Bilder haben.

Diese zwei Gemeinschaften, diejenige aller Menschen, die wie ich auf dieser Welt Gott suchen, und diejenige aller, die ihm auf eine uns nicht sicher bekannte Art schon sehr nahe sind, sie bilden eine unübersehbare Schar von Gefährtinnen und Gefährten, die mich einschliesst und trägt, in der ich Zuhörer und Beiständinnen finde: in Fleisch und Blut in der hiesigen Realität, unfassbar und manchmal doch mächtig spürbar in der jenseitigen. Beziehung, Zwiegespräch, Gebet verbindet uns.

Allerheiligen erinnert mich nicht nur an meine Sterblichkeit, sondern daran, dass ich Teil einer sehr grossen Gemeinschaft bin, grösser als die Grenzen der sichtbaren Realität. In ihr habe ich Anteil am ewigen Leben Gottes.

Text: Lea Stocker

Angebot laufend

Nacht der Lichter

Freitag, 4. November
19.15 Einsingen
20.00 Abendgebet
Ref. Stadtkirche Winterthur

Samstag, 12. November
17.15 Workshop «Taizé kennenlernen»
Kirchgasse 13, Zürich

18.30 Einsingen
19.30 Abendgebet
Grossmünster

www.jugendseelsorge.ch/agenda

Lea Stocker (36) ist Assistenzärztin am Unispital Zürich und Mitglied der Arbeitsgruppe «Für eine Kirche mit den Frauen».