Was bedeutet mir unser Kirchenpatron?

Zum Fest Allerheiligen haben wir Seelsorger und Seelsorgerinnen im Kanton Zürich gefragt, welches Verhältnis sie zum Patron oder zur Patronin jener Kirche haben, in der sie tagtäglich ein und aus gehen.

 

Christus Erlöser

Patrozinium wird in der Osternacht gefeiert.

Die Erlöserkirche in Zürich-Riesbach ist Christus – dem Erlöser – geweiht. Somit erinnert mich dieses Patrozinium, das in der Osternacht gefeiert wird, an den, der der Grund unseres Glaubens und das Haupt unserer Gemeinschaft ist, die sich sonntäglich zum österlichen Mahl trifft: Jesus Christus. Das grosse Christusmosaik, das den Altarraum unserer Kirche schmückt, ist mir in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Mit seinen ausgebreiteten Armen empfängt der Auferstandene die Kirchenbesucherinnen und -besucher und lehrt mich, dass der Erlöser jeden Menschen, der zu ihm kommt, in seine Arme schliesst. Diese Geste vermittelt mir ein Gefühl von Grosszügigkeit, die unser menschliches Grosszügigsein weit übersteigt. Und dennoch empfinde ich diese nicht als Vorwurf, sondern als grosszügige Einladung, die lautet: Versuch es auch du immer wieder – komm, folge mir nach!

Marcel von Holzen,
Pfarrer Erlöser, Zürich-Riesbach

«Christus-Fenster» von Ferdinand Gehr in der Kirche «Felix und Regula» in Zürich.

«Christus-Fenster» von Ferdinand Gehr in der Kirche «Felix und Regula» in Zürich. Foto: Foto: Nick Brändli/zvg

1 | 1

Felix und Regula

(3. Jahrhundert)
11. September

St. Felix und Regula stehen für die Frage, wie der Glaube zu uns gekommen ist. Die Legende erzählt davon, wie sie Psalmen beten und nach der Art von Jesus ihr Leben gestalten. Wenn wir von Glaube reden und der Weitergabe des Glaubens hat das immer mit Werten und Haltungen von Jesus zu tun. Die Heiligen sagen zum staatlichen und religiösen Mächtigen: «Unseren Leib hast du zwar in deiner Gewalt, unsere Seelen aber hast nicht du in deiner Gewalt, sondern allein Gott, der uns gebildet hat.» In der äussersten Not bleiben sie ihren christlichen Werten und damit Gott selber treu. Darin sind die Heiligen, eine Frau und ein Mann, für alle Zeiten Vorbilder. In diesem Sinn bedeuten mir die Heiligen der Legende und der Tradition existenziell und spirituell persönlich viel.

Gertrud Würmli,
Gemeindeleiterin/ Pfarreibeauftragte St. Felix und Regula, Zürich-Hard

«Felix und Regula» von Ferdinand Gehr in der Kirche «Felix und Regula» in Zürich.

«Felix und Regula» von Ferdinand Gehr in der Kirche «Felix und Regula» in Zürich. Foto: Nick Brändli/zvg

1 | 1

Martin von Tours

(um 316–397)
11. November

Am hl. Martin gefällt mir, dass er neben einem grossartigen Beispiel für die Nächstenliebe auch ein Vorbild sein kann für die Selbstsorge. Vor dem Stadttor von Amiens steigt er von seinem Pferd, um dem Bettler auf Augenhöhe zu begegnen. Er zückt sein Schwert, teilt seinen Mantel und gibt die eine Hälfte dem Bettler, die andere behält er für sich. Will sagen: Ob all der Nächstenliebe darf man sich selber nicht vergessen. Blinder Altruismus kann selbstzerstörerisch sein. Nächstenliebe setzt die Selbstliebe voraus.

Beat Auer,
Seelsorgeraumpfarrer St. Martin, Seuzach, im Seelsorgeraum Elgg-Seuzach-Wiesendangen

 

Stephan

(1. Jahrhundert)
26. Dezember

Uns ist Stephanus ein Vorbild im Gewaltverzicht und in der religiösen Toleranz. In der Apostelgeschichte wird beschrieben, wie Stephanus zuerst den Dialog mit den Andersdenkenden sucht und dann angesichts seiner Verfolger nicht gewalttätig wird oder zur Gewalt im Namen seiner Religion aufruft, sondern «den Himmel offen sieht». Er betet sterbend für seine Verfolger. Darin zeigt sich eine innere Freiheit, die mit dem Aufruf zu Hass oder Rache nicht zu erlangen ist. Ausserdem gefällt uns, dass Stephanus am 26. Dezember, also einen Tag nach Weihnachten, gefeiert wird.

Barbara Ulsamer und Domenic Gabathuler,
Pfarreibeauftragte in solidum St. Stephan, Männedorf-Uetikon

«Petrus-Fenster» von Ferdinand Gehr in der Kirche «Felix und Regula» in Zürich.

«Petrus-Fenster» von Ferdinand Gehr in der Kirche «Felix und Regula» in Zürich. Foto: Nick Brändli/zvg

1 | 1

Konrad von Konstanz

(um 900–975)
26. November

Er war Bischof von Konstanz. Seine pastorale Klugheit äussert sich erstens darin, dass er sich trotz seiner bischöflichen Autorität von allem Anfang an immer auch beraten liess und keine einsamen Entscheidungen traf, die weder gut durchdacht, praktizierbar oder ausgewogen waren. Und zweitens suchte er den persönlichen Kontakt zu den Geistlichen und allen andern Menschen in seiner Diözese, indem er weite, oft mit physischen Anstrengungen verbundene Reisen in die entlegensten Gebiete hoch zu Ross und, wenn nötig auch zu Fuss unternahm.
Der erste Biograph Konrads weiss von der grossen Freude zu berichten, die bei den Geistlichen aufkam, wenn der Bischof bei ihnen weilte, denn sie spürten in ihm nicht in erster Linie einen Vorgesetzten, sondern einen Weggefährten, einen Bruder im Glauben. Ein schönes Beispiel seines seelsorgerlichen Wirkens hat uns Konrad durch das Hospiz gegeben, das er – teils mit eigenen Mitteln – in Konstanz baute. Hier fanden nicht nur Kranke, sondern auch zwölf Arme aus der Stadt dauernde Unterkunft. Und hier leistete er Beziehungsarbeit, indem er zeitweise mit ihnen lebte, sie betreute und an ihren Krankenlagern mit ihnen betete.
So hat für mich das Wort der Bergpredigt «Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden» durch das Leben und Wirken des hl. Konrads von Konstanz – gerade auch im Jahr der Barmherzigkeit – eine konkrete Dimension angenommen.

Hannes Rathgeb,
Pfarrer St. Konrad, Zürich-Albisrieden

Maria Lourdes

Bernadette Soubirous
(1844–1879)
16. April

So hat Maria sich Bernadette Soubirou 1858 bei einer ihrer 17 Begegnungen in der Grotte von Massabielle bei Lourdes vorgestellt: «Ich bin die unbefleckte Empfängnis.» Marias Herz ist unbefleckt – es kennt keine sündhafte Verengung. In Maria ist das Werk Jesu, die Erlösung, sichtbar geworden. Und so fühlen sich die Menschen in ihrer Nähe angenommen, verstanden und geborgen: Kinder, Erwachsene, Eltern, Grosseltern, Gesunde, Kranke, Gescheiterte, Einheimische, Fremde, Gottsucher und Gläubige verschiedener Konfessionen und auch Religionen… Seit über 150 Jahren treffen sich so viele unterschiedliche Menschen aus allen Kontinenten in Lourdes – und auch hier bei uns im kleinen Lourdes von Zürich. Das macht mir Freude.

Martin Piller,
Pfarrer Maria Lourdes, Zürich-Seebach

Giovanni Bosco

(1815–1888)
31. Januar

La nostra Parrocchia ha il suo titolare nella persona di un santo, che ancora oggi tutti chiamano nella forma più familiare, Don Bosco, quasi a sentirlo vicino e come presenza ordinaria. È San Giovanni Bosco (1815–1888), torinese, il fondatore della Congregazione Salesiana. Il suo successore, il Beato Michele Rua, volle i Salesiani qui a Zurigo tra gli emigrati del secolo scorso. La pedagogia e la spiritualità di Don Bosco ancora orientano quanti operano nella Parrocchia, nell’Oratorio all’interno della Missione Cattolica di Lingua Italiana. «Don Bosco è un uomo da leggenda.» (Victor Hugo) «Don Bosco è un colosso di santità.» (Pio XI)

Tobia Carotenuto SDB,
Pfarrer Don Bosco, Parocchia-Oratorio Personale Zürich

 

Katharina von Siena

(1347–1380)
29. April

Die hl. Katharina von Siena ist die Patronin unseres Pfarreizentrums in Fällanden. Sie war eine starke und mutige Frau in ihrer Zeit, die sich für den Frieden innerhalb der katholischen Kirche eingesetzt hat. So ist die Hl. Katharina von Siena auch für unsere Zeit ein wichtiges Vorbild für den Frieden und die offene Kommunikation in der Pfarrei und darüber hinaus in den verschiedenen Anliegen der Kirche und der Welt von heute.

Luis Varandas,
Vikar/Pfarreibeauftragter St. Katharina, Fällanden

Josef

(um Christi Geburt)
1. Mai

Er spielt keine Hauptrolle in den vier Evangelien: Josef, der Mann Marias. Die Evangelisten überliefern kein einziges Wort aus seinem Mund. Und dennoch weist Josef quasi vom Rande her auf die Mitte hin, auf Jesus Christus, in dem sich die Heilsgeschichte Gottes an uns Menschen auf einmalige Weise verdichtet.
Genau darin – in der Hinführung auf die Mitte unseres Glaubens – sehe ich die wichtigste Aufgabe aller in der Seelsorge tätigen Menschen. Darum weiss ich mich mit unserem Kirchenpatron in besonderer Art verbunden.
Der Evangelist Matthäus bezeichnet Josef als «gerecht», das heisst als Mensch, der sein Leben auf Gott ausrichtet und gestaltet. Diese Lebensausrichtung lässt Josef barmherzig handeln. Exemplarisch zeigt sich dies in seinem Verhalten gegenüber Maria. Es liegt Josef fern, seine schwangere Verlobte in der Öffentlichkeit blosszustellen. Durch sein Handeln weist er auf den alles entscheidenden Punkt hin, an dem sich meine Arbeit in der Seelsorge messen lassen muss: Barmherzigkeit.
Und schliesslich ist augenfällig, dass Gottes Weisungen an Josef in der Regel im Traum ergehen. Darin zeigt sich einerseits, dass Gottes Offenbarung für uns Menschen unverfügbar bleibt. Andererseits vertraut sich Gott immer auch der wachsam-hörenden Verantwortung von Menschen an. Darin, im hörenden Herzen und im wachsamen Glauben, ist mir unser Kirchenpatron ein Vorbild, an dem ich mich zu orientieren versuche und dessen Fürsprache ich mich immer wieder neu anvertraue.

Adrian Lüchinger,
Pfarrer St. Josef, Horgen

Johannes der Täufer

(1. Jahrhundert)
24. Juni

An der Südwand, in grossen Buchstaben in Beton gegossen, ist sein Name zu lesen: Johannes der Täufer. – Im Kirchenraum steht eine Statue, die Johannes den Evangelisten darstellt. Johannes der Täufer hat auf Jesus hingewiesen. – Johannes der Evangelist hat Jesus als Christus erkannt und verkündet. Das ist der christliche Weg: Von Jesus zu Christus – von Jesus aus Nazareth über das, was er gesagt, getan und gelebt hat, zu seinem Tod am Kreuz bis hin zu Jesus, dem auferstandenen Christus. – Dies ins eigene Leben umzusetzen, also Christus gemäss zu leben, sehe ich als Sinn und Aufgabe meines Lebens und als Weg zur Vollendung (Auferstehung). – So ist unser Kirchenpatron für mich ein prima Erinnerungszeichen.

Franz Studer,
Pfarrer St. Johannes der Täufer, Geroldswil

Petrus

(1. Jahrhundert)
29. Juni

Was mir den Apostel Petrus so sympathisch macht, ist sein (manchmal voreiliger) Eifer, sind seine Schwächen. Mal präsentiert er sich als Musterschüler Jesu mit lupenreinem Bekenntnis, wagt Schritte des Vertrauens auf dem See, beteuert seine absolute Loyalität und will mehr als nur die Füsse gewaschen bekommen. Und dann wieder muss er sich anhören, dass sein Glaube klein ist oder dass ihn der Teufel geritten hat; er schläft ein, als er gebraucht wird, verleugnet Jesus und weint bitterlich, als ihm bewusst wird, was er getan hat. In all dem wird vor allem der Mensch Petrus spürbar, mit Ecken und Kanten, der hier etwas riskiert und dort wieder stolpert. So ist er im Leben und Glauben unterwegs – wie ich, wie wir. Und doch – auf so einen baut Jesus seine Kirche… Irgendwie ermutigend!

Hännes Broich,
Gemeindeleiter/Pfarrreibeauftragter Pfarrei St. Petrus, Embrachertal

Text: Redaktion forum

Angebot laufend

Serienstart

Im kommenden Kirchenjahr werden wir «Was bedeutet mir unser Kirchenpatron?» auf der Seite 29 als regelmässig

erschei­nende Serie weiterführen.

Angebot laufend

Die hier abgebildeten Glasfenster von ­Ferdinand Gehr können in der Kirche «Felix und Regula» in Zürich bewundert ­werden. In den farbenfrohen Kirchenfenstern werden die Seligpreisungen Jesu ­dargestellt. Zu jeder der acht Seligpreisungen zeigt Gehr einen Heiligen, eine Heilige, welche diese Seligpreisung in ihrem Leben exemplarisch verwirklicht haben.