Energie für vier

Familienbetrieb, Frauenkirche, Genossenschaftsbeiz, Politik: Die neue ­Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF) Simone Curau-Aepli im Porträt.

Die sonnengebräunte, grosse Frau mit hellem Kraushaar steuert ihr Mini-­Auto ins Industriegebiet der Thurgauer Kleinstadt. Sie öffnet die Tür zur Curau AG, einer auf Wärme- und Schalldämmung spezialisierten Firma, die sie mit Ehemann Beat Curau führt. Von 1988 bis ins Jahr 2000 war sie für die Administration der Firma zuständig. Dann konnte sie es nicht mehr ertragen, mit «Grüezi, Fräulein» angesprochen und nach dem Chef gefragt zu werden, wie sie freimütig erklärt.

Nach acht Jahren bei der Caritas Thurgau kehrte sie zurück ins Fami- liengeschäft. Nun leitet sie als Ver- waltungsratspräsidentin in einem 30-Prozent-Einsatz die Geschäftsleitungssitzungen und kümmert sich um Personal- und strategische Fragen.

Zehn Jahre lang war die 55-Jährige Präsidentin der CVP-Frauen Thurgau; von 2009 bis 2013 zudem Vizepräsidentin der CVP-Frauen der Deutschschweiz. Das führte die Politikerin 2013 direkt in den Vorstand des SKF – «als Quereinsteigerin», wie sie sagt: «Sie suchten für die Ressorts Politik und Finanzen eine Frau mit Erfahrung. An vorderster Front dabei war Simone ­Curau-Aepli bei den Vorbereitungen zur Lohngleichheits-Demonstration am Tag der Frau 2015 in Bern. Dabei machte sich der SKF für die Anerkennung der unbezahlten Familienarbeit stark. Gut möglich, dass der SKF unter Curau-Aeplis Leitung auch nächstes Jahr auf die Strasse geht, diesmal für die Altersvorsorge 2020, wie sie in Aussicht stellt.

Kirchenpolitisch war Curau-Aepli bei«Segen statt Brot» und der Kundgebung der Allianz «Es reicht!» in St. Gallen aktiv. Wichtige Erfahrungen waren für sie die feministischen Feiern der Frauenkirche Thurgau und ein feministischer Theologiekurs in Luzern in den 90er-Jahren.


Mit der Journalistin im Rücksitz des Mini-Autos kurvt die energiegeladene Frau nun zur Genossenschaftsbeiz «Frohsinn» und setzt sich an einen ­roten Tisch im Garten. Die Beiz haben sie und ihr Mann in den 80er-Jahren mitbegründet, hier war sie 17 Jahre im Vorstand aktiv und hat mitgearbeitet bis zur Selbstausbeutung, wie sie sagt. Die im «Frohsinn» vertretenen Werte sind ihr bis heute wichtig: ­biologisches Essen, Ökologie, Fair ­Trade, Frauenraum, Kultur und partizipative Führung.

Weiter geht’s zum denkmalgeschützen Riegelhaus. Hier und im ehemaligen Lagergebäude nebenan entstehen Zweifamilienhäuser, wo zwei ihrer vier erwachsenen Kinder mit Familie bzw. Partner einziehen werden. Auch die Familiennachfolge in der Curau AG ist bereits auf gutem Weg.


Woher nimmt die Ostschweizerin die Energie für all diese Aufgaben? «Ich bin von meiner Konstitution her leistungsfähig», sagt Curau-Aepli. In der Familienphase habe sie zudem gelernt, Hilfe anzunehmen. Mit ihrem Ehemann habe sie immer Hand in Hand gearbeitet, im Geschäft und in der Familie. Beat Curau ist als CVP-Politiker ebenso unterwegs wie sie. Das letzte gemeinsame Essen sei bereits ein paar Tage her, sagen die beiden beim Fondue, das ihr Mann in Kürze hingezaubert hat.

Text: Regula Pfeifer, kath.ch