Geld fair investieren

Wo Geld anlegen, ohne dass in Firmen investiert wird, die ethisch und ökologisch fragwürdig arbeiten? Seit über 40 Jahren bietet Oikocredit eine Antwort.

«Oikocredit ist der Pionier im Bereich sozialethischer Investitionen», sagt Anna-Maria Brahm, Geschäftsführerin der Franz-Xaver-Stiftung, die das Geld des Hilfswerks «Jesuiten weltweit» verwaltet: «Vor einem Jahr haben wir deshalb beschlossen, einen Teil der Spendengelder bei Oikocredit anzulegen – bis sie in die vorgesehenen Projekte fliessen können.» Es sei dem Hilfswerk der Jesuiten ein grosses Anliegen, das für soziale Aufgaben gespendete Geld nicht bei Unternehmen anzulegen, die nicht ethisch und nachhaltig handeln. Das festzustellen, sei jedoch oft schwierig und meist nicht so klar. 

«Oikocredit ist eindeutig, sie denken wie wir», sagt Brahm. So würden die Spendengelder doppelt Gutes tun: zuerst über Kredite, die Oikocredit an Partnerorganisationen in Entwicklungs- und Schwellenländern vergibt, und dann in den eigenen Projekten.

Der Kirchenstiftung von St. Martin Seuzach gehört das Land, auf dem Kirche und Pfarreizentrum stehen.  «Aus dem Baufonds für Renovationen und andere Aufgaben legen wir 15 000 Franken bei Oikocredit an», sagt Stiftungspräsident Beat Auer. «Die Dividende von 1 Prozent, welche Oikocredit jährlich ausbezahlt, schenken wir der Organisation zurück, um ihre Arbeit für soziale Projekte zu unterstützen.» 

Helene Zurfluh, Vorstandsmitglied von Oikocredit deutsche Schweiz, hat vor kurzem Maria Digna Remache Chato in Ecuador besucht. Digna ist Mitglied der Mikrofinanz-Genossenschaft COAC, die von Oikocredit unterstützt wird. «Diese Kleinbäuerin hat vor zehn Jahren einen Kredit von 1000 Dollar aufgenommen, Land gepachtet und angefangen, Gemüse anzubauen», sagt Helene Zurfluh. «Heute ist sie Landbesitzerin und leitet einen kleinen Familienbetrieb. Das zeigt: Geld von Oikocredit kann aus der Armut führen.»

Entstanden ist Oikocredit 1975 auf Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen, welcher eine alternative, ethische Investitionsmöglichkeit für Kirchen forderte. In der Deutschschweiz haben 1800 Privatpersonen und Organisationen (Kirchen, Stiftungen, Fairer Handel) über den regionalen Förderkreis mit Geschäftsstelle in Winterthur über 40 Millionen Schweizer Franken investiert.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer