Kirchen online

Alle 117 katholischen Kirchen im Kanton Zürich sind im Online-Lexikon Wikipedia dokumentiert.

In nur zwei Jahren hat der katholische Priester Markus Weber von Dübendorf alle 117 Kirchen im Kanton Zürich in seiner Freizeit besucht, fotografiert, beschrieben – nicht nur deren Geschichte und Architektur, sondern auch Innenausstattung, Orgel und Glocken. «Es war für mich eine grosse Freude, diese Kirchen voller Leben zu entdecken», erzählt er begeistert: «Betende Menschen, Kinder-Zeichnungen, brennende Kerzen ...»

Er fand so viel Leben, dass Kurt Hess, ein Freund aus Dübendorf, nachher stundenlang mit der Foto-Bearbeitung beschäftigt war: «Bei der einen Kirche habe ich Baugerüste wegretuschiert, bei einer anderen Fastenzeit-Bilder entfernt», schmunzelt er. Denn in Wikipedia muss das Bild die Kirche zeitlos präsentieren.

Wollten die beiden Bilder von Kunstwerken, die in den Kirche zu finden sind, in Wikipedia stellen, brauchten sie die Erlaubnis mit Unterschrift des Künstlers oder seiner Erben, was nicht immer zu bewerkstelligen war. Doch es sind immer noch beeindruckend viele Bilder, bis zu 30 pro Kircheneintrag. Viele hat Kurt Hess fotografiert, zudem hat er viel technische Unterstützung geleistet. «Die Wikipedia-Seiten zeigen, was unsere Vorfahren unter schwierigen Bedingungen geleistet haben. Es ist auch ein Danke an jene – meist aus der Innerschweiz –, die uns damals finanziell unterstützt haben», meint Hess. Markus Weber, der auch an der Mittelschule Deutsch unterrichtet, ergänzt: «Gerade junge Menschen, die ihre Informationen aus dem Internet holen, sehen jetzt, welchen Schatz wir haben.»

Dieser Schatz soll auch in Buchform greifbar werden. Die Idee dazu war bald da, aber die Finanzierung schien unmöglich. Bis Weber während der Sommerferien «auf Betteltour» ging, 50 Privatpersonen persönlich anfragte und überwältigt war vom positiven Echo. Auch die Kirchen ziehen nun mit, Synodalrat, Stadtverband und etliche Kirchgemeinden oder Kirchenstiftungen haben einen Beitrag zugesagt.

Das Wikipedia-Fieber ist Markus Weber deshalb noch nicht losgeworden. In der Zwischenzeit hat er bereits die Einträge über alle Friedhöfe und reformierten Kirchen der Stadt Zürich fertig gestellt und ist nun daran, ausgewählte Kirchen in der übrigen Deutschschweiz in Wikipedia darzustellen.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer