Ristretto: Tatjana Disteli

Auf einen Ristretto mit Tatjana Disteli, Leiterin der katholischen Spital- und Klinikseelsorge im Kanton Zürich.

Warum arbeiten Sie in der Spitalseelsorge?
Als medizinische Laborantin hörte ich bei kurzen Blutentnahmen ganze Lebensgeschichten. Ich studierte Theologie, um in einer anderen Rolle im Spital mehr Zeit für die Menschen zu haben.

Heute leiten Sie die grösste Fachstelle der katholischen Zürcher Kirche.
Das bedeutet Personalverantwortung für 48 in der Spital- und Psychiatrieseelsorge tätige Priester und Laien, Budgetverantwortung für viereinhalb Millionen Franken – Löhne und Gelder für Projekte wie die Palliative-Care-Strategie – und Fachverantwortung: Vernetzungs- und Projektarbeit mit allen, mit denen Seelsorge im Dienst kranker Menschen zu tun hat.

Herausforderungen?
Die Verankerung der Spitalseelsorge im sich rasant verändernden medizinischen Umfeld muss nachhaltig gestärkt werden. Unsere Brückenfunktion zu Pfarreien und das Netzwerk mit Organisationen wie der Spitex ist noch ausbaufähig. Sorge bereitet mir die Sicherung des Nachwuchses angesichts der tiefen Zahlen von Theologiestudierenden.

Was ist das «Plus» der Spitalseelsorge?
Wir besuchen Kranke auf verschiedenen Stationen während der ganzen Zeit ihres Spitalaufenthaltes, während das übrige Personal an eine Station oder Funktion gebunden ist. Wir sind bei Menschen, die nicht mehr in die Kirche kommen, bei Einsamen, Sterbenden und Ängstlichen, bei Angehörigen – und zunehmend unterstützen wir das Personal.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

Die Theologin Tatjana Disteli arbeitete als Seelsorgerin am Uni-Spital und als Leiterin des Seelsorgeteams im Triemli. Seit 2015 leitet sie die katholische Spital- und Klinikseelsorge.

Foto: Christoph Wider/forum