Bald 40 Jahre auf Sendung

Rot leuchtet «on air» auf, wenn Freiwillige live im Spitalradio des Kantonsspitals Winterthur moderieren.

Freundlich begrüsst Anita Nydegger die Hörerinnen und Hörer des Wunschkonzertes, das gerade am Spitalradio im Kantonsspital Winterthur (KSW) läuft. Sie ist die Präsidentin des Vereins Radio Grammophon, der das Spitalradio betreibt. Jeden Tag sendet das Radio rund um die Uhr für die Patienten des Spitals. Mehrmals pro Woche gibt es Livesendungen zu bestimmten Themen oder Wunschkonzerte. 

Ihre Wünsche notieren Patientinnen und Patienten auf vorgedruckten Zetteln, die vom IDEM-Dienst eingesammelt und dem Spitalradio übergeben werden. Diese Zettel liegen nun vor Anita Nydegger, die sie vor der Sendung sortiert und für das Abspielen in eine Reihenfolge gebracht hat. Während die Musik spielt, kann sie sich aber nicht zurücklehnen und zuhören: «Ich bin die ganze Zeit beschäftigt. Lege Platten auf oder suche die Musik im Computer.»

Zurzeit sind 22 aktive Mitglieder im Verein tätig. Die meisten von ihnen moderieren am Mikrofon, andere sind für die Technik zuständig. Alle erhalten eine Ausbildung, um das Spitalradio kennenzulernen und eigene Sendungen durchführen zu können. Nydegger betont, dass alle hier unentgeltlichen Dienst tun und dafür das nötige Wissen brauchen: «Es soll ja eine Livesendung sein. Etwas vorbereiten und nachher dann einfach abspielen; das wollen wir definitiv nicht. Es ist ein Dienst, und für diesen sind wir hier persönlich anwesend.» Kaum hat sie den Satz gesagt, setzt sie sich wieder die Kopfhörer auf und moderiert das nächste Lied an. Man merkt deutlich den Zeitdruck, den eine Livesendung mit sich bringt.

Seit fast 40 Jahren ist das Spitalradio Winterthur nun «on air», das von Pater Ursmar Wunderlin und Ullrich Lewicki 1979 gegründet wurde. Der vor Kurzem verstorbene Wunderlin war Spitalseelsorger am KSW und baute in Eigenarbeit das Radio auf. Auf das lange Wirken von Pater Ursmar angesprochen, muss Anita Nydegger kurz schlucken und sagt: «Er war immer die Seele des Spitalradios und wird es auch immer bleiben. Er fehlt uns sehr.»

Das gerade gespielte Lied endet und Nydegger sagt konzentriert das nächste Lied an. Danach erzählt sie gern von Rückmeldungen, die das Spitalradio bekommt: «Wenn jemand anruft und sagt: ‹Es ist so schön gewesen. Vielen Dank, dass ihr mir das gespielt habt!› – dann sind das sehr berührende Momente.»

Text: Oliver Sittel