Endlich daheim

Seit einem Jahr hilft der Verein «Viwo» Flüchtlingen, eine eigene Wohnung zu finden.

«Ich habe fast ein Jahr gesucht, gestern habe ich eine Wohnung gefunden!»,
erzählt Attaullah Babakhel (24) aus Afghanistan. Der junge Mann strahlt. «Sonst hätte ich in einem Container wohnen müssen!» Bei der Wohnungssuche geholfen hat ihm der Verein Viwo (Vinzenz Wohnnungen), der am 28. Oktober sein einjähriges Bestehen im Zentrum der Pfarrei Laurentius in Winterthur-Wülflingen feierte – zusammen mit Flüchtlingen, Freiwilligen, Hausbesitzern und Behörden. 

Wafa Trbal aus Libyen hat unter Mithilfe ihres Mannes und der beiden Töchter ein aufwendiges Menü gekocht. Seit elf Uhr morgens stehe sie in der Küche, sagt Trbal, deren Familie ebenfalls über die «Viwo» zu einer Wohnung gekommen ist.

«Viwo»- Freiwillige unterstützen vorläufig aufgenommene oder anerkannte Flüchtlinge beim Schreiben von Bewerbungen, besichtigen mit ihnen Wohnungen und stehen auch nach Bezug der Wohnung als Ansprechperson für Vermieter zur Verfügung. «Ich habe eine Frau begleitet, die seit neun Jahren auf Wohnungssuche war und 200 Bewerbungen geschrieben hatte», erzählt «Viwo»-Präsidentin Zita Haselbach. Und der Freiwillige Jakob Elmer hat erfahren, was Flüchtlinge in der Schweiz wissen müssen: «Die richtigen Nägel zum Aufhängen der Bilder benutzen, damit die neue Tapete nicht zerkratzt wird, und die richtigen Pfannen für den Induktionsherd.»

Viele Flüchtlinge vermittelt der städtische Sozialdienst an «Viwo». Hausbesitzerin Anita Jörger – gerade auf der Suche nach neuen Mietern – fand in der Kirche einen Flyer und rief spontan Zita Haselbach an. Drei Wochen später zog eine eritreische Familie mit zwei Kindern ein. 

«Ich höre fast nichts von ihnen!», sagt Jörger lachend und umarmt eines der Kinder ihrer Mieter, das neben ihr sitzt. Die Wohnung sei immer sauber, «auch die Waschküche!», ergänzt sie schmunzelnd, und erzählt begeistert von der Kaffee-Zeremonie, die sie erlebte, als sie zum ersten Mal bei den eritreischen Mietern zu Besuch war.

«Die Menschen sind unendlich dankbar», sagt Jakob Elmer: Als eine Familie zum ersten Mal in die eigene Wohnung gekommen sei, hätten sie als Erstes nach der nächsten Kirche gefragt. «Dort angekommen, sind sie hingekniet und haben Gott gedankt.»

Text: Sylvia Stam, kath.ch