Event ohne Advent

Falls ich vorhätte, hier über Harry Potter zu schreiben, geriete ich unverzüglich in Voldemorts Küche.

Die ganze Hogwarts-Welt ist nämlich ein gewaltiges juristisches Minenfeld, weil sozusagen alles urheberrechtlich geschützt ist, was da kreucht und fleucht.

Glücklicherweise habe ich mir aber vorgenommen, über die Advents- und Weihnachtszeit zu schreiben. Und mit dieser kann man sozusagen alles anstellen, was einem gerade einfällt.

Wirklich? Nein, natürlich nicht! Man kann sich beispielsweise Ärger einhandeln, wenn man im Schulunterricht ein Weihnachtslied anstimmt. – Eine Weihnachtskrippe auf öffentlichem Grund wird unter Umständen wenig Friede auf Erden verbreiten. – Und vielleicht werden statt Engel bald wieder die Jahresendflügelfiguren aus dem DDR-Fundus entmottet.

Mir wird ganz quidditch im Kopf, so wild wuchert das Brimborium um Weihnachten, während dessen Urgrund immer stärker aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt wird.

Obwohl ich als Katholik noch tief im alten Kirchenjahr stecke – ganz diskret und höchst privat natürlich – werde ich im öffentlichen Raum bereits von Festlaune zu Festlaune gejagt. Der Name dessen, der eigentlich für Jubel sorgen soll, wird dabei allerdings tunlichst verschwiegen. Rein kommerzieller Festbetrieb also und dadurch für Religions-kritiker und Neutralitätsfanatiker vollkommen unproblematisch.

Während Jesus Christus zur ruhestörenden Randnotiz degradiert wird, werde ich mit aller Marktmacht genötigt, möglichst viele Nötli für ein schweizerisch-englisch-amerikanisch-schwedisches Gesamtweihnachtsevent auszugeben.
Während Jesus Christus bitte absolut privat bleiben soll, werden Weihnachtsrummel und -geschäft omnipräsent. Bodenloser Weihnachtskommerz ganz ohne religiösen Grund. Weihnachten ganz ohne Christkind.

Wir sollten uns mal mit den Anwälten von Warner Bros. und -Joanne K. Rowling zusammensetzen. Die haben bestimmt den einen oder anderen Tipp, wie man die Urheberrechte am Weihnachtsfest besser schützen kann.
Wenn das auch nicht hilft, bleibt nur noch eine Lehrstunde beim Disney-Konzern, der langjährige Erfahrung damit hat, seine Prunkstücke vom Markt zu nehmen und mit Aufführungsverbot zu belegen, um so die Lust darauf neu zu wecken.

Text: Thomas Binotto