Stolperstein: «Mission»

«Man wolle unter keinen Umständen missionieren» – diese Versicherung ist ein wichtiger Türöffner geworden, wenn es darum geht, als Vertreterin einer Kirche jemanden erreichen zu wollen.

Keine Sozialarbeiterin möchte mit geflüchteten Jugendlichen zum Fussball-Nachmittag kommen – und dann etwas von Jesu grenzenloser Liebe hören. Kein Arzt möchte für die sterbende Frau – dass ich ihr als Seelsorgerin nochmals schnell ein Glaubensbekenntnis abnehme.

Dass ich als Pastoralassistentin, als Christin, als Mensch, dies gar nicht tun möchte, das muss ich manchmal explizit sagen. Ich sage es auch, weil ich das, was mir begegnet, ernst nehmen will: eine Angst – und sei sie noch so diffus – dass Christen nur deshalb Gutes tun, weil sie die Mitgliederzahlen ihrer Kirchen und damit die Steuergelder erhöhen wollen. Vielleicht sogar die Abscheu – und sei sie noch so vage – dass hinter dem Anschein von verständnisvoller Zuwendung eventuell sogar der Wahn lauert, wir Kirchenleute besässen die Wahrheit und wüssten den einzigen Weg zum Heil. 

Tatsächlich kann Jesus das nicht gemeint haben, als er sagte: «Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.» (Matthäus 28,19). Und dennoch bleibt die Frage: Was ist dann unsere Mission? Denn natürlich haben wir eine!

Mission bedeutet «Sendung», «Auftrag» und kommt vom lateinischen «mittere», das «entsenden», «schicken» bedeutet. Was also möchte ich, wenn ich Jugendliche zum Fussball einlade? Was ist meine Sendung, mein Auftrag, wenn ich der Sterbenden begegne?

Ich versuche es mit eigenen Worten zu beschreiben: Ich löse mich aus dem Strudel von meinem Stress und Zeitdruck. Ich besinne mich und versuche, meine Aufmerksamkeit von mir weg auf einen anderen Menschen zu lenken. Ich höre und schaue und fühle, was ich da vorfinde. Ich bleibe da und widerstehe dem Wunsch, das «einzig Richtige» zu wissen, zu sagen oder zu tun.

Dass ich mit Jugendlichen, die kaum Deutsch sprechen, Fussball spiele, ist der Weg, der ihnen Spass macht und es mir ermöglicht, mit ihnen in eine Beziehung zu treten. Dass ich für die eine Sterbende bete und sie segne, bei der anderen aber vielleicht «gar nichts» tue, das hat für mich etwas mit ihr, mit mir und mit Gott zu tun. Aber was genau?

Die Mission Jesu Christi scheint mir manchmal so vielfältig zu sein, wie die Menschen selbst es sind. Ein Bild und eine Aussage, die mich zu diesem Thema bewegen: Die Kirche ist der Leib Christi, ich selbst bin seine Arme und Beine. Wie Franz von Assisi gesagt haben soll: «Verkündigt in allem das Evangelium, und sollte es nötig sein, gebraucht Worte.»

Text: Veronika Jehle, Pastoralassistentin St. Martin Zürich