Spotlight: Kirchenlieder

Was hat ein ägyptischer Schlangenfries aus Sandstein mit einem uralten Kirchenlied zu tun?

Kennen Sie das älteste Kirchenlied der Welt? Es ist schon in der Bibel bezeugt, aber es passt nicht ganz zu unserer Vorstellung von «Kirchenliedern». Es wurde zum ersten Mal an einem Ort vorgetragen, an dem man sich Gottes Präsenz vorstellte. Sogleich denkt man an eine Kirche, aber das Lied stammt aus vorchristlicher Zeit. Es wurde ursprünglich in Tempeln gesungen und hatte im Tempel von Jerusalem seine Premiere.

Von wem wurde es gesungen? Auf die richtige Antwort kommt man nicht so schnell, denn es waren keine menschlichen Chormitglieder. Auch die Engel waren nicht die Ausführenden, es waren überraschenderweise Tiere – und nicht gerade irgendwelche, sondern Schlangen. Ganz genau genommen handelte es sich um geflügelte ägyptische Speikobras.

Diese heissen im Alten Testament «saraf» (Plural «serafim») und der Prophet Jesaja sieht diese Serafim um den Thron des Jerusalemer Gottes flattern (Jes 6). Ganz nah bei Gott zischeln sie dabei eine dreifache Wiederholung, indem sie Gott das wichtigste göttliche Attribut zusprechen: Sie rühmen seine Heiligkeit. «Kadosch, Kadosch, Kadosch» heisst dies auf Hebräisch, also «Heilig, Heilig, Heilig». Das sogenannte Trishagion, das in jeder Messe angestimmt wird, ist das älteste überlieferte Kirchenlied, und bekannt ist es schon seit Jahrtausenden. War Ihnen das bewusst, als Sie das letzte Mal das «Sanctus, Sanctus, Sanctus» angestimmt haben?

Text: Florian Lippke, Bibel+Orient Museum

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Ägyptischer Schlangenfries aus Sandstein (1. HDh. v. Chr.)   
ÄFig 2003.1
© Bibel+Orient Museum Freiburg CH