Stolperstein: «Halleluja»

Gerade weil es so triumphal daherkommt und so inflationär verwendet wird, ist das «Halleluja» ein Stolperstein.

Wir kriegen Händels «Halleluja» geschmettert und hören schon gar nicht mehr richtig hin, weil dieses Stück so etwas wie das «We’re Are the Champions» der Christenheit ist, mit dem wir festliches Selbstbewusstsein verbreiten wollen. Und sonst gar nichts?

Tatsächlich stammt Händels Chor aus einem Abschnitt des «Messias», der mit «Triumph Gottes» überschrieben wird. Aber wenn man diesen Chor als Einzelstück aus dem Zusammenhang löst, geht das Verständnis dafür verloren, dass Händel mit dem «Messias» eine vielfältige, oft auch sehr leise Meditation über Jesus Christus und seine Bedeutung für uns komponiert hat – ein Werk also mit vielen ganz und gar nicht triumphalistischen Zwischentönen.

Fast ebenso bekannt ist das «Hallelujah» des kürzlich verstorbenen Sängers Leonard Cohen. Auch dieses wird gerne in der Weihnachtszeit gespielt. Auch bei dieser Radioroutine hören wir vor lauter Popularität oft gar nicht mehr aufmerksam hin.
Und auch hier ist es lohnenswert, den Urtext von 1984 genau zu lesen. Es ist ein vielfach gebrochenes Halleluja, das Cohen anstimmt. Ein Halleluja allem Scheitern zum Trotz. Ein Halleluja, das sich ausdrücklich nicht an Gott wendet; dem es egal ist, ob es nun als heiliges oder gebrochenes Halleluja gehört wird.

Und schliesslich ist da noch Ludwig Thomas «Münchner im Himmel» den das fröhliche Frohlocken in den Wahnsinn treibt: «Ha-ha-lä-lä-lu-u-uh – Himmi Herrgott – Erdäpfi – Saggerament – – lu- uuu- iah!» schimpft er, schmeisst die Harfe entnervt hin und landet schliesslich ganz und gar unheilig wieder im Hofbräuhaus.

Übersetzt bedeutet Halleluja: Lobt Jahwe! – Ich stelle mir vor, dass der liebe Gott mir dankbar ist, wenn ich dieses Lob weder als Triumphmarsch zelebriere, noch als heruntergeleierten Standard, als gedankenloses Mantra oder automatisierte Endlosschleife.
Aber wenn mir danach ist, dann will ich auch in Zukunft aus tiefstem Herzen jubeln dürfen: Luja sog i und gelobt seist du mein Gott und Herr!
Und dann lege ich mir zur Feier des Tages Händels «Halleluja» auf. In der gebotenen Lautstärke natürlich.

Text: Thomas Binotto