Erfrischende Kirche

«Fresh expressions Schweiz» zeigt, was in den Kirchen Mut macht, den Glauben erfrischend neu auszudrücken.

Der Pfarrer geht in ein Tattoo-Geschäft und lädt die Eigentümerin ein, in der Kirche über die Tattoos Gottes zu sprechen – statt dass er selber über den Bibeltext «Ich habe dich unauslöschlich in meine Hände eingezeichnet» predigt (Jes. 49,16). Daraufhin wird er einmal im Monat eingeladen, im Tattoo-Laden für ein Gespräch mit den Kunden und Kundinnen zur Verfügung zu stehen.
Zwei junge Frauen eröffnen ein Café, das nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch Beheimatung, Beratung, Gemeinschaft, Lebensberatung und Spiritualität anbietet.

Solche und ähnliche Beispiele wurden an der Tagung «Kirche auf die Füsse stellen» vom 16. Januar in Zürich vor mehr als 150 Teilnehmenden aus reformierten, katholischen, methodistischen, aus Chrischona- und anderen christlichen Gemeinschaften erzählt. Denn: «Das Bild für Kirche ist nicht eine feste Burg, sondern ein Zelt: unterwegs mit den Menschen», erklärte Christian Hennecke, Pastoralamtsleiter des Bistums Hildesheim. Kirchenentwicklung sei nicht Strukturentwicklung, sondern Entfaltung und Ermächtigung aller Gläubigen. «Es braucht den Mut zur Lücke» unterstrich Philipp Elhaus, Leiter «Missionarische Dienste» der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Kirchliche Angestellte sollten nicht mehr alles tun, was von ihnen erwartet wird, sondern viel mehr Beziehungsräume ermöglichen, in denen Menschen ihre Berufung entdecken und leben, Gemeinschaft erfahren.

Die ökumenische Spurgruppe «fresh expressions Schweiz» hat die Tagung durchgeführt. Dort engagiert sich katholischerseits Rudolf Vögele als Präsident der Deutschschweizer Pastoralamtsleiter. «Diese Bewegung will nicht neue Formen kirchlicher Existenz definieren, sondern aufzeigen, wo innerhalb der bestehenden Kirchen bereits Neues entsteht», sagt Vögele und verweist auf Jesaja 43,19. «Auch unsere Präsenz im Bahnhof, im Viadukt oder im Anhaltspunkt Neuhegi in Winterthur sind solche neuen Ausdrucksformen unseres Glaubens», meint er. Bedeutender aber sei es, dass eine «lokale Kirchenentwicklung» an vielen Orten passiert, initiiert durch Menschen, die ihren Glauben neu, der heutigen Zeit entsprechend ausdrücken wollen.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer