Kulturtipps 03/2016

Kino «Der grosse Sommer» / Zeitschrift «bref»

Kino

Der ehemalige Schwingerkönig Anton Sommer baut am liebsten seine Flaschen-Schiffchen und will ansonsten in Ruhe gelassen werden. Leider lebt er aber nicht alleine in dem Haus auf dem Land. über ihm wohnt der 10-jährige Hiro zusammen mit seiner Grossmutter. Als diese verstirbt, bittet der Junge den Alten darum, ihn nach Japan zu begleiten. Dort möchte Hiro eine Sumoschule besuchen. Als sich Sommer weigert, will ihm Hiro die Wohnung kündigen. Denn seine Grossmutter war die Eigentümerin. Also machen sich die beiden Sturköpfe gemeinsam auf den Weg. Mit Mathias Gnädinger hat die Schweiz einen ihrer grossen Schauspieler verloren. Auch in seiner letzten Rolle als knorriger Einzelgänger kann er überzeugen, ebenso wie sein junger Sidekick Loïc Sho Güntensperger in dessen allerersten Rolle. «Der grosse Sommer» funktioniert als Feelgood-Movie, das nicht mehr und nicht weniger sein will.

Sarah Stutte, medientipp

«Der grosse Sommer» Schweiz/Japan 2015. Regie: Stefan Jäger. Besetzung: Mathias Gnädinger, Loïc Sho Güntensperger… Verleih: Impuls Pictures. Spielort und -zeit: www.arthouse.ch

Zeitschrift

 Am 15. Januar ist die erste Ausgabe von «bref» erschienen – das sich im Untertitel selbstbewusst «Das Magazin der Reformierten» nennt. Die Zeitschrift löst nach fast zwanzig Jahren die «reformierte presse» ab. Empfangen werden wir auf der Front von einer Frau mit Problem. So verspricht es zumindest die Schlagzeile. Welches Problem, das erfahren wir in einem langen Porträt auf elf grosszügig bebilderten Seiten: Pfarrerin Carla Maurer kämpft um das finanzielle Überleben der Swiss Church in London.
Das Layout der Hauptgeschichte bietet viel Luft zum Atmen, die Typografie ist von schlichter Eleganz, der Text lädt unaufgeregt dazu ein, sich für Carla Maurer Zeit zu nehmen, auch wenn sich ihr Problem dann doch nicht als derart exklusiv herausstellt, wie zunächst erwartet und auch ihre Antworten nicht so überraschend wie erhofft.
«bref» setzt in seiner ersten Ausgabe praktisch ausschliesslich auf Personen: Porträts, Interviews, Kolumnen. Und man liest gerne von Franco Gargiulo, Sigrist am Grossmünster oder von den ungleichen «Gebrüder Jäger», der eine angehender Pfarrer der andere Schnulzensänger.
Die erste Ausgabe bietet 32 kurzweilige, anregende Seiten, durchs Band gut geschriebene Texte und eine sorgfältige Bildsprache. «bref» wirkt in seinem unbedingten Stilwillen und seiner Gediegenheit allerdings auch etwas leidenschaftslos und kühl. Ob es damit tatsächlich DAS Magazin der Schweizer Reformierten wird, bleibt abzuwarten. Der Start jedoch ist gelungen. So, dass man «bref» unbedingt wünscht, mindestens bis ins Flegelalter durchzuhalten.

Thomas Binotto

bref – Das Magazin der Reformierten» erscheint alle zwei Wochen.
Abonnement: Jordi AG, Aemmenmattstr. 22, 3132 Belp. abo@brefmagazin, Tel. 031 819 38 54.
www.brefmagazin.ch