Lichtblick im schwierigen Alltag

Bei Krankheit und Tod fehlt oft Hilfe. Deshalb unterstützen Freiwillige des Vereins Wabe Limmattal Schwerkranke und ihre Angehörigen.

Ein Memory mit Labrador-Hunden mit der Bildseite nach oben liegt auf dem Tisch. Lucien Nick nimmt mit klammen Fingern eine Karte auf. Der 68-Jährige leidet an einer genetischen Krankheit und an Parkinson. Sein Zustand verschlechtert sich kontinuierlich. Inzwischen kann er sich nur noch mit grosser Mühe bewegen und sprechen. «Jetzt suche das Zweite», motiviert ihn Olga Russenberger, den Arm auf der Lehne von Nicks Rollstuhl. Nick legt seine Karte neben eine gleich aussehende. «Gut, wieder ein Paar», sagt Russenberger und schiebt die beiden Karten beiseite. «Wie hiess euer letzter Labrador?», fragt sie. «Pasco», antwortet Nick. «Das kommt ja wie aus der Pistole geschossen», witzelt Russenberger und blickt Nick liebevoll an. Er strahlt.

«Die Labradore waren unser Lichtblick», erklärt Helga Nick. Die Ehefrau von Lucien pflegt ihren Mann Tag und Nacht – und hat bereits ihre Mutter und ihren Vater in der letzten Lebensphase betreut. «Sie leistet Unendliches», sagt Russenberger bewundernd. Sie unterstützt als freiwillige Betreuerin des Vereins Wabe das Ehepaar Nick und andere schwer kranke Menschen und deren Angehörige. Heute besprechen sie Wünsche. Helga möchte mehr Freiraum für soziale Kontakte und für eine Reise in ihre Heimatstadt München. Lucien möchte ausfahren und Fleisch essen gehen.

Olga Russenberger weiss aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn Hilfe fehlt. Einfühlsam begleitet sie in ihrer Freizeit Lucien Nick.

Olga Russenberger weiss aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn Hilfe fehlt. Einfühlsam begleitet sie in ihrer Freizeit Lucien Nick. Foto: Christoph Wider/forum

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Der 2003 gegründete Verein Wabe Limmattal mit Sitz in Schlieren steht für «Wachen und Begleiten Kranker und Sterbender». Er will den Menschen ermöglichen, die letzte Zeit ihres Lebens zuhause zu verbringen und begleitet dafür Kranke, entlastet Angehörige und unterstützt im Trauerprozess. Die Initiative ging von der katholischen Ordensschwester Elisabeth Müggler aus, ehemals Schulleiterin des Theodosianums am Spital Limmattal, sowie von Mirjam Meier, ehemals diakonische Mitarbeiterin der Reformierten Kirche Dietikon.

30 Personen engagieren sich aktuell freiwillig für Wabe. Russenberger ist seit acht Jahren dabei. Krankheiten und Todesfälle in Familie und Bekanntenkreis haben ihr klargemacht, wie oft in solchen Situationen Hilfe fehle. Dazu kamen einschneidende persönliche Erfahrungen. Russenbergers Mann hatte einen Schlaganfall und sie selbst einen Darmdurchbruch. «Wir standen beide auf der Kippe», sagt Russenberger. Das bewog die Geschäftsfrau, ihre Berufstätigkeit zu reduzieren und sich sozial zu engagieren: bei Wabe und bei den Pfarrer- Sieber-Sozialwerken

Text: Regula Pfeifer