Schwierige Zeiten für Familien

Jede fünfte Alleinerziehende in der Schweiz ist von Armut betroffen. Damit die Kinder eine Chance haben, als Erwachsene ihre Existenz selbst bestreiten zu können, begleitet Caritas Zürich Familien in schwierigen Zeiten.

Bei armutsbetroffenen Familien fehlt es an vielem – neben dem Geld fehlen vor allem Zuversicht und Chancen, aus dieser Situation wieder herauszukommen. Meist sind alle wichtigen Lebensbereiche von Einschränkungen geprägt: Arbeit, Bildung, Wohnen, Gesundheit, soziale Kontakte und die Freizeitgestaltung. In der Schweiz muss zwar niemand verhungern – aber die Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten und sozial integriert, also ein Teil der Gesellschaft, zu sein, sind stark beschnitten. Gerade auf Kinder hat Familienarmut gravierende Auswirkungen: Sie wachsen in einem Klima existenzieller Ängste und Sorgen auf, und ihre Eltern können sie häufig wenig in der Schule unterstützen. Das wiederum reduziert ihre Chancen, selber einmal gut für sich sorgen zu können – so wird in der Schweiz nicht nur Reichtum vererbt, sondern auch Armut.

Wer erwerbstätig ist, weiss: Die Anforderungen an Arbeitnehmende sind erheblich gestiegen. Bei diesem Leistungsdruck mitzuhalten und die geforderte Flexibilität zu bringen, ist nicht einfach. Wer ungenügend qualifiziert ist, gesundheitliche Probleme oder zu wenig Sprachkompetenzen hat, hat es immer schwieriger, im Arbeitsmarkt zu bestehen oder gar eine neue Stelle zu finden. Aber auch eine Anstellung garantiert nicht, dass das Geld fürs Leben reicht: 2013 waren 130 000 so genannte Working Poor trotz Erwerbstätigkeit von Armut betroffen.

Caritas unterstützt die Eltern dabei, ihre Kinder in der Schule optimal zu begleiten.

Caritas unterstützt die Eltern dabei, ihre Kinder in der Schule optimal zu begleiten. Foto: Conradin Frei/Caritas Zürich/zvg

Wichtig ist preisgünstiger Wohnraum zu fördern, um den Aufbau sozialer Netze zu unterstützen.

Wichtig ist preisgünstiger Wohnraum zu fördern, um den Aufbau sozialer Netze zu unterstützen. Foto: Conradin Frei/Caritas Zürich/zvg

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Viele Menschen geraten in eine Armutsspirale, wenn sich ihre Lebenssituation dramatisch verändert – beispielsweise durch eine Scheidung oder den Tod des Partners. Bei Scheidungen steigt das Armutsrisiko beträchtlich, wenn das Haushaltseinkommen schon vorher knapp war. Denn jetzt müssen zwei Haushalte mit demselben Budget finanziert werden. Allein- erziehende geraten dann häufig in Not – und in jedem fünften Fall in die Sozialhilfe. Doch neben den Finanzen belasten auch andere Sorgen: Reicht die Zeit, um die Kinder in der Schule genügend unterstützen zu können? Kann eine Person – meist die Mutter – die ganze Verantwortung tragen?

Für armutsbetroffene Familien gerät die soziale Teilhabe zur täglichen Herausforderung. Einerseits sieht man häufig von Einladungen ab, weil die Wohnsituation nicht repräsentabel und kein Geld da ist, um für Gäste kochen zu können. Selber bleibt man aber lieber zu Hause in den eigenen vier Wänden: Häufig sprengen der Besuch von Kindergeburtstagen (wegen der Geschenke), die Teilnahme am Skisportlager oder Ferien die Budgets der Familien. Nicht selten werden armutsbetroffene Kinder deshalb ausgegrenzt und stigmatisiert. Die Prekarität setzt sich dann allzu oft auch im späteren Leben fort.

Die Angebote der Caritas reichen von Sozial- und Schuldenberatung über Unterstützung beim Berufseinstieg, Möglichkeiten, um günstiger zu leben, Lernen und Entlastung bis zum Bereich Wohnen. Im Vordergrund steht die Hilfe zur Selbsthilfe: Caritas Zürich sieht sich als Begleiterin in Phasen von Prekarität und Armut und versucht gemeinsam mit ihren Klientinnen und Klienten, vorhandene Ressourcen zum Wohl der Familie nutzbar zu machen. Für viele Familien in scheinbar aussichtslosen Situationen ist es zunächst einmal wichtig, eine Gesprächspartnerin zu haben, welche auf Augenhöhe zuhört und ihre Sorgen ernst nimmt und versteht. Und die schon erlebt hat, wie Familien in solchen Situationen ihre Lage deutlich verbessern konnten.
Kinder sind das schwächste Glied in der Familie, für ihre speziellen Bedürfnisse gibt es weitere Angebote. Mit den Themenpatenschaften ist es möglich, ihnen eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu ermöglichen, beispielsweise mit Musikunterricht oder als Mitglied eines Sportvereins. Freiwillige Göttis und Gotten können im Projekt «mit mir» Einblicke in andere, weniger belastete Lebenssituationen geben. Und ein weiteres Angebot («Copilot») unterstützt die Eltern dabei, ihre Kinder in der Schule optimal zu begleiten.

Neben der direkten Hilfe spielt die Prävention eine grosse Rolle. Viele Faktoren, die auf gesellschaftlicher Ebene diskutiert und geregelt werden müssen, tragen dazu bei, dass Menschen in die Armut geraten. Ergänzungsleistungen für Familien beispielsweise wären ein wesentliches Instrument zur Bekämpfung von Familienarmut. Solche Leistungen sind in einigen Kantonen bereits verankert – der Bund sollte sie gesamtschweizerisch einführen und mitfinanzieren.
Ein weiteres Feld sind prekäre Arbeitsbedingungen wie Arbeit auf Abruf und Temporär-Anstellungen. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sichern, muss familienexterne Betreuung preisgünstig, erreichbar und flächendeckend angeboten werden – idealerweise in der Form von Tagesschulen.
Eine gute Ausbildung sowie gezielte Weiter- oder Nachholbildung führen oft zu einer deutlichen Verbesserung des Einkommens und ermöglichen es, auch bei einem Teilzeitpensum über dem Existenzminimum zu leben. Es braucht deshalb insbesondere in der Sozialhilfe und der Arbeitslosenversicherung weitsichtige Bildungsmassnahmen.
Wichtig ist schliesslich ein gutes Wohnumfeld mit einem verlässlichen sozialen Netz. Das kann die Situation von armutsbetroffenen Familien entscheidend verbessern. Grundsätzlich ist deshalb preisgünstiger Wohnraum zu fördern, um den Aufbau sozialer Netze zu unterstützen.
Das Caritas-Netz beschäftigt sich in der ganzen Schweiz mit den verschiedenen Herausforderungen rund um das Thema Armut.

Text: Daniel Wirz, Caritas Zürich

Angebot laufend

Caritas-Woche

30./31. Januar und 6./7. Februar 2016

Das Motto der diesjährigen Caritas-Woche «Familien begleiten in schwierigen Zeiten» soll daran erinnern, dass zahlreiche Familien täglich mit Geldsorgen kämpfen. Caritas Zürich unterstützt diese Familien, die an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt werden.

Angebot laufend

Caritas Zürich entwickelt ihre Angebote laufend weiter, um auf aktuelle Bedürfnisse eingehen zu können. Neuste Angebote sind «WohnFit», bei dem Freiwillige bei der Wohnungssuche helfen. Unter youngCaritas Zürich werden neu Projekte für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gebündelt, unter anderem «aktiv werden», bei dem die Jugendlichen dabei unterstützt werden, sich mit Aktionen und Projekten für eine solidari-sche und gerechte Gesellschaft einzusetzen. Seit dem 1. Januar 2016 betreibt Caritas Zürich zudem die Fachstelle Flüchtlinge, um Hilfsmassnahmen in den Kirchgemeinden und Pfarreien fachlich zu unterstützen.