Der Zukunfts-Maler

«Respekt und gegenseitiges Verständnis, das sind meine zentralen Themen.»
Der nigerianische Künstler Tony Nwachukwu über das Hungertuch, das er für die Fastenkampagne gemalt hat.

Die Kindheitserinnerungen von Tony Nwachukwu sind stark mit dem Roten Kreuz verbunden. Während des Biafra-Kriegs von 1967 bis 1970, dessen Grausamkeit er miterlebte, verteilten Schweizer Hilfswerke der hungernden Bevölkerung auch in seinem Dorf Nahrungsmittel. Dafür ist er heute noch zutiefst dankbar. In Europa hat man diesen Krieg längst vergessen. In seiner Heimat jedoch, erzählt Tony Nwachukwu, gebe es alte Frauen ohne Unterstützung, weil alle ihre Söhne damals umgekommen seien. Sie leben noch immer mit den Wunden, die dieser Krieg ihnen zugefügt hat.

Das Thema Umweltzerstörung hat ihn nicht mehr losgelassen, seit er vor sieben Jahren das Hungertuch gemalt hat, welches in diesem Jahr die Fastenkampagne begleitet. Im Rahmen des Auftrags für das deutsche Hilfswerk Misereor fuhr er damals zum ersten Mal ins Nigerdelta. Das hat ihm das ganze Ausmass der Zerstörung durch die Ölförderung vor Augen geführt. «Ich sah Elektromasten aus dem Meer ragen – das Einzige, was von einem versunkenen Dorf übrig geblieben war», erinnert er sich lebhaft. Er erkannte, wie die Ölfirmen auch das soziale Leben zerstören. «Sie arbeiten mit Tricks und bringen auf diese Weise verschiedene Gruppen der ansässigen Bevölkerung gegeneinander auf.» Zudem bestechen sie Behörden und Politiker, so der Künstler, und unterhalten Sicherheitsfirmen, die wie eine eigene Armee funktionieren. Tony Nwachukwu ist überzeugt: «Es ist weiterhin wichtig, diese Zerstörung öffentlich zu machen.»

Das Hungertuch zur Fastenkampagne von Tony Nwachukwu.

Das Hungertuch zur Fastenkampagne von Tony Nwachukwu. Foto: Misereor/zvg

Tony Nwachukwu in seinem Atelier bei der Arbeit am Hungertuch.

Tony Nwachukwu in seinem Atelier bei der Arbeit am Hungertuch. Foto: Misereor/zvg

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Wenn er schliesslich über sein Hungertuch spricht, werden die Details lebendig. Das angsterfüllte Gesicht des kleinen Jungen, der auf einer Öltonne im dreckigen Wasser reitet, gehört seinem jüngsten Sohn; er ist inzwischen vierzehn. Die Schriftzeichen oben rechts sind eine Art Hieroglyphen, mit denen Nigerianer sich vor der Kolonialzeit verständigten. Die Hand mit dem göttlichen Funken, die die Schöpfung darstellt, ist einem Gemälde von Michelangelo entliehen.

Am wichtigsten ist ihm aber die Gruppe von Menschen verschiedener Herkunft, die um Symbole zu Frieden, Schönheit und Wachstum versammelt sind. «Respekt und gegenseitiges Verständnis, das sind meine zentralen Themen.» Immer wieder besucht er Schulklassen im Vielvölkerstaat Nigeria, um darüber zu sprechen, wie wichtig es ist, sich gegenseitig um Verständnis zu bemühen. «Denn unsere gemeinsame Zukunft hängt nicht nur vom Erhalt einer intakten Natur ab, sondern genauso stark vom sozialen Frieden.»

Text: Blanca Steinmann/Fastenopfer

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