Wacher Beobachter

Aus Gesprächen wird Freundschaft – daraus entsteht ein Dokumentarfilm, der Grenzen überwindet. Mit dem Schriftsteller Farid Dhamrah, dem Regisseur Pino Esposito und der Pastoralassistentin Claudia Elsner im «Kafi für dich».

«Ich hab mich selber geheilt. Das Heimweh schmerzt nicht mehr.» Farid Dhamrah sitzt im «Kafi für Dich» mitten im Zürcher Kreis vier. Nach über 15 Jahren des Wartens, die meiste Zeit als Sans-Papier, ist er ganz in Zürich angekommen – mit Aufenthaltsbewilligung. «Farids Kraft ist die Sprache», sagt Regisseur Pino Esposito. Über diese Kraft hat er einen Dokumentarfilm gedreht.
Farid spielt darin sich selber: Ein palästinensischer Journalist und Schriftsteller, der in die Schweiz geflüchtet ist und hier Tag für Tag im Kaffee sitzt, die Menschen rund um sich beobachtet und aufschreibt, was er sieht. Er fällt keine vorschnellen Urteile, sondern schaut, denkt, wägt seine Worte.
So auch über Pastoralassistentin Claudia Elsner aus der Pfarrei Heilig Kreuz. Sie wohnt in der Wohnung oberhalb des «Kafi für Dich» und wunderte sich, was der Mann mit dem silbernen Kraushaar und den Papieren in der Hand jeden Tag hier macht. «Ein Musiker oder Schriftsteller, dachte ich. Irgendwann sagte ich Hallo.» Farid war erstaunt: «Gibt es hier eine Frau, die Pfarrer ist?» Mal habe sie vor einer Beerdigung, mal nach einer Taufe mit ihm geplaudert. «Sie ist freundlich und liebenswürdig», sagt Farid, «ihr Charakter ist der einer Brücke, zwischen Leben und Tod.» Sie selber meint: «Ich möchte die Menschen öffnen – füreinander, für andere, für Gott.» Genau das soll der Filmabend in der Pfarrei bewirken, an dem der Dok «Farid – in Zürich oder irgendwo» gezeigt wird und wo die An- wesenden mit dem Regisseur wie dem Protagonisten diskutieren können.

«Über Migration wird viel geredet», sagt Esposito. «Mein Dok zeigt die Sicht der Migranten, ohne Filter oder Heuchelei. Viele leben hier, als wären sie nicht hier», sinniert der Süditaliener. «Die Grenze der inneren Landschaft überwinden ist oft das Schwierigste.» Auch für ihn ist Farid mehr als Hauptdarsteller ein Freund – die beiden waren lange Nachbarn und diskutierten über Gott und die Welt, bis das Filmprojekt entstand. «Du hast vielleicht nicht mehr Heimweh nach deinem Heimatort Nablus», sagt Pino zu Farid. «Aber sicher nach den Kindheitserinnerungen, dem Duft des Feigenbaumes, dem Rauschen des Meeres?» – «Stimmt», gibt Farid zu. «Mein Grossvater hat einen Baum gepflanzt, auf dessen Stamm Aprikosen, Kirschen und Mandeln wuchsen. Wenn sie im Frühling in Blüte standen, war das ein Stück Paradies.»

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

Filmabend

Dienstag 8. März - 19.30
Pfarrei Heilig Kreuz, Zürich
Filmabend und Gespräch mit den Protagonisten