Kulturtipps 05/2016

Kino «Das Tagebuch der Anne Frank» / Filmfestival «Yesh!» / Zeitschrift «Fluchtwege in Südost- und Osteuropa / Buch «Der Traum vom Frieden zwischen Mensch und Tier» / Zeitschrift «Wendekreis»

Kino

Wie zeichnet man heute ein Bild der Ikone Anne Frank? Mit dieser Frage konfrontiert, gibt es zwei Lösungen: die Fokussierung auf den Text des jüdischen Mädchens aus Amsterdam oder die Nacherzählung als realistische Rekonstruktion. Regisseur Hans Steinbichler entscheidet sich für die zweite Möglichkeit. Er benutzt die Methode des Reenactment, der Erzählung von nachgestellten Handlungen an den historischen Schauplätzen. Dabei stützt er sich auf die junge Schauspielerin Lea von Acken, die authentisch die Erlebnisse der Anne Frank verkörpert. Schauspielgrössen wie Ulrich Noethen und Martina Gedeck geben die Eltern von Anne – empathisch, nachvollziehbar und überzeugend.

Charles Martig, Katholisches Medienzentrum

«Das Tagebuch der Anne Frank» Deutschland 2016, Regie: Hans Steinbichler, Besetzung: Lea van Acken, Martina Gedeck, Ulrich Noethen. Verleih: Universal Pictures International, www.universalpictures.ch

Filmfestival

Inspiriert von der Kultur, der Geschichte und der Religion des jüdischen Volkes zeigt «Yesh!» zwanzig international aktuelle Filme. Darunter sind fünf Dokumentarfilme und sechzehn Schweizer Premieren, welche bisher nur an ausländischen Festivals gezeigt wurden. Die Filme setzen sich kritisch, engagiert und mit einer Prise Humor mit unterschiedlichsten Themen auseinander. Im Fokus stehen das Verhältnis zwischen säkularem und orthodoxem Judentum, die Frage nach Assimilierung und Integration, Israel und
der Nahostkonflikt, der Holocaust und nicht zuletzt romantische Liebesfilme und spannende Thriller.
Diskussionen mit interessanten Gästen aus der Filmbranche bereichern das Programm. Beispielsweise begleitet Amos Gitai seinen Film «Rabin, the Last Day» nach Zürich. Eine eindringliche Dokumentation, in der Gitai den Tag rekonstruiert, an dem Ytzhak Rabin ermordet wurde.
Mit dem fünftägigen Festival, das in diesem Jahr zum zweiten Mal in erweiterter Form stattfindet, will «Yesh!» einen Beitrag leisten, Wissen über die jüdische Kultur zu vermitteln und weiterzugeben. Neben der Einladung zur Entdeckung vielfältiger und spannender Filme soll damit auch das Interesse und Verständnis für das Judentum gefördert werden. «Yesh!» wird unter anderem auch von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich unterstützt.

zvg/bit

10.–14. März 2016
«Yesh!» Neues aus der jüdischen Filmwelt
Kino Houdini und Arthouse Uto
www.yesh.ch

Zeitschrift

Die stark gesicherten EU-Aussengrenzen lassen Flüchtlingen kaum legale und sichere Zugangswege offen. Tragödien und trotzdem anwachsende Flüchtlingszahlen sind die Folge, während sich die EU-Staaten den Schwarzen Peter zuschieben. Migrations- und Friedensforscher schreiben über die Fluchtwege in
Südost- und Osteuropa und wie die Staaten entlang der Balkanroute damit umgehen. Es werden auch Lösungsansätze wie ein Stopp von militärischen Interventionen und Rüstungsexporten, eine transparente Einwanderungspolitik, Bildungsoffensiven und gerechtere Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Industriestaaten und Entwicklungsländern diskutiert.

bl

«Fluchtwege in Südost- und Osteuropa» 
Religion & Gesellschaft 1/16 
Fr. 10.–
www.g2w.eu

Buch

Der Umgang des Menschen mit Tieren ist stark ökonomisiert und industrialisiert. Ein grosser wirtschaftlicher Gewinn wird dabei nicht nur aus den Nutztieren, sondern ebenso aus den Haustieren gezogen. Die Tierethik will dieser wirtschaftlichen Dynamik Grenzen setzen. Michael Rosenberger fragt nicht nur philosophisch nach einem gerechten Umgang mit Tieren, sondern sieht sie theologisch auch als Geschöpfe Gottes, der sie aus Liebe ins Leben rief. Nach einer Bestandesaufnahme der Mensch-Tier-Beziehung gibt er Denkanstösse, wie der Mensch auf das friedliche Zusammenleben mit dem Tier zugehen kann.

pd/ps

«Der Traum vom Frieden zwischen Mensch und Tier»
Michael Rosenberger, Kösel-Verlag 2015. 240 Seiten, Fr. 22.90.
ISBN 978-3-466-37135-8

Zeitschrift

Nichts steht je still, Entwicklungen und Veränderungen geschehen ständig. Das spiegelt sich auch in der Entwicklungszusammenarbeit: Begriffe und Konzepte entwickeln sich weiter, Fragen werden immer grundlegender. Denn: Wer entscheidet für wen, was oder wie «Entwicklung» überhaupt zu sein hat? Transportiert die «entwickelnde Seite» dabei nicht auch immer Weltbilder und Werte? Wie kann Entwicklung gelingen, die nicht paternalistisch und vormundschaftlich ist? Wie sieht eine neue Entwicklungszusammenarbeit aus, die nicht mehr das «ökonomische Wachstum» eines Landes als Gradmesser hat? Und: Wohin wollen wir uns selbst, als Gesellschaft, als Spezies entwickeln – und mit welchen Folgen?

pd/ps

«Es beginnt weiter»
Wendekreis 2/16, Fr. 7.–.
Bestellung: Administration Wendekreis, 058 854 11 42
www.wendekreis.ch