Graffiti im Pfarrhaus

Kirche bietet Raum für Kreativität, sagt Pastoralassistentin Olivia Burri.

Entfernte Orgeltöne von der nebenstehenden Kirche ziehen durchs Treppenhaus, abgenutzte Teppiche liegen am Boden der leer stehenden alten Pfarrwohnung. Graffitis schmücken die Wände: Namen von jungen Menschen, an einer Wand gross: Toleranz. Von der Seitenwand blickt ein graublauer, nachdenklicher Engel mit grossen Flügeln.

«Das Haus wird bald umgebaut», erklärt Olivia Burri, die nach dem Theologie-Studium in der Pfarrei Dreikönigen Zürich ihr Pastoraljahr absolviert. «Wir dachten uns: Mit diesen Räumen können wir für junge Leute erlebbar machen, was Kirche ist: ein Ort, wo man sich selber sein kann, angenommen ist und sich entwickeln kann.» Zusammen mit einer Projektgruppe organisierte sie Ende November die «Freestylestube».

In den beiden von Profis geleiteten Workshops «Rap/DJ-ing» und «Graffiti» wurden gut 40 Jugendliche kreativ. Sie machten Musik, tanzten und verwandelten die leeren, weissen Wände in Botschaften des Friedens. «Viele Flüchtlinge waren hier, unter ihnen einige unbegleitete Jugendliche», sagt Olivia Burri, selber 26 Jahre jung.

Dieses «von Gott angenommen sein» möchte Olivia Burri durch ihre Arbeit in der Pfarrei vermitteln. Sie habe sich schon immer mit Sinnfragen beschäftigt, nach Ursprung und Ziel des Lebens, nach Leiden und Schmerz, nach Gott. So dass ihre Mutter irgendwann vorschlug: «Warum studierst du nicht Theologie?»

Ein Schnuppertag an der Theologischen Hochschule Chur habe sie überzeugt: «Dozenten und Studierende waren sehr authentisch und nahmen meine Fragen ernst.» So entschied sich die junge Frau, dieses Studium zu wagen – ohne bestimmtes Berufsziel, «einfach um endlich fundiert über meine Fragen nachdenken zu dürfen.» Die fünf Jahre in Chur seien ein Reifungsprozess gewesen und hätten ihr Boden gegeben.

Das Pastoraljahr sei nun eine völlig andere Lebenswelt: «Mit anderen Menschen, wo immer sie stehen, den Glauben feiern, für einen Moment Anteil haben dürfen am Leben eines Mitmenschen und Hoffnung, Trost oder Freude miteinander teilen, das erlebe ich als sinnstiftende Erfahrung und zugleich als grosse Verantwortung.»

Sie kann sich aber auch vorstellen, in Zukunft theologisch weiterzuarbeiten oder sich in der Seelsorge zu spezialisieren. Die junge Frau redet klar und flüssig, ihre Worte sind durchdacht und erfüllt von Überzeugung. Sie öffnet ihre Hände und sagt: «Glaube macht frei, bereit zur Verantwortung und zum Leben.»

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer