Religionsunterricht in Süd-Arabien

In Süd-Arabien spielt bei der Glaubensweitergabe der Religionsunterricht für Kinder eine zentrale Rolle – und die Erwachsenenbildung.

Glauben lernen. Wie geht das in Arabien? Für mich anfänglich eine Überraschung: Der ausserschulische Religionsunterricht hier ist dem Modell im Kanton Zürich sehr ähnlich. An unseren neun katholischen Schulen in den Emiraten, die der öffentlichen Aufsicht unterliegen (die beiden anderen Länder sind noch ohne eigene kirchliche Schulen), gibt es ebenfalls Religionsunterricht: Nicht nur den gesetzlich vorgeschriebenen für Muslime, sondern auch katholische Katechese.

Alle Kinder, die in andere Schulen gehen, besuchen den RU in der Gemeinde am Wochenende – heisst: Freitag oder Samstag. Für die grossen Gemeinden wie Dubai, Abu Dhabi, Sharjah ist das regelmässig eine logistische Meisterleistung. In St. Mary’s in Dubai etwa – der weltweit grössten Pfarrei – sind es mehrere Tausend Kinder an einem Wochenende, die nach einem feinst ausgeklügelten Stundenplan- und Raumsystem zusammen Messe feiern und dann in kleinen Gruppen Religionsunterricht bekommen.

Alle der fast 1200 Katechetinnen und Katecheten im Vikariat sind Ehrenamtliche, die eine obligatorische Ausbildung durchlaufen. Das bischöfliche Department für Katechese und Bildung in Abu Dhabi, das ich mit leite, kann diese Ausbildung nur bedingt leisten, daher arbeiten wir eng mit einer katholischen Universität in Ohio/USA zusammen, die die notwendigen Kurse online anbietet.

Ganz wichtig: die Erwachsenenbildung. In den grossen Gemeinden gibt es alljährlich einen achtmonatigen Katechumenenkurs für Interessierte, die sich taufen lassen oder konvertieren wollen. Mehrmals jährlich bieten die Gemeinden Kurse zur Vorbereitung auf die Erwachsenenfirmung an.

Text: Martin Stewen

Angebot laufend

Martin Stewen (45) ist Priester der Diözese Chur und arbeitet seit Frühjahr 2015 im

Apostolischen Vikariat in Abu Dhabi.