Ausstellungen & Kino

«Heiliger Besuch» / «Son of Saul» / «Artquilts»

Ausstellung

Seit der Schliessung ihres Museums befindet sich die Sammlung E.G. Bührle sozusagen im Transit – bis sie dann 2020 im Erweiterungsbau des Kunsthauses eine neue Heimat finden wird. Ein wenig bekannter Teil dieser Sammlung ist nun in Schaffhausen ausgestellt. Emil Bührle, der praktizierende Christkatholik, sammelte nicht nur französische Impressionisten. 

Und so kommt es im Museum Allerheiligen zu einem «Heiligen Besuch» von 15 gotischen Skulpturen. Kernstück der Ausstellung ist ein Raum, in dem diese Figuren frei stehen dürfen und sich nicht in Vitrinen zwängen müssen. Damit treten sie in Beziehung zueinander – aber auch zu uns. Der Besuch mischt sich unter die Besucher.

Es lohnt sich, für die daraus entstehende Zwiesprache das pointierte Ausstellungsheft bereit zu halten oder an
einer Führung teilzunehmen, denn die Figuren sind nicht nur Kunstgenuss und Handwerkskunst, sie erzählen mit ihrer Symbolik auch Glaubens- und Theologiegeschichte.

So schlicht das Ausstellungskonzept daher kommt, so überzeugend ist seine Wirkung. Auch der fliessende Übergang in die ständige Sammlung des Museums gelingt elegant. Dagegen erscheint der Einbezug von
Madonnenbilder der Foto- und Videokünstlerin Annelies Štrba geradezu ängstlich, als traute man der Anziehungskraft des hohen Besuchs nicht ganz. Ihre Bearbeitungen von klassischen Mariendarstellungen wirken im Vergleich wie gefälliges Dekor, das nicht Weise die dringliche Intensität der mittelalterlichen Skulpturen erreicht.

Thomas Binotto

«Heiliger Besuch»
19. März bis 28. August 2016
Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen
Öffnungszeiten: Di bis So 11 bis 17 Uhr
Tel. 052 633 07 77
www.allerheiligen.ch

Kino

Saul ist Mitglied eines Sonderkommandos, das in den Gaskammern Handlangerarbeit machen muss: Menschen ziehen an ihm vorbei, die sich ausziehen müssen. Dann gilt es, die Kleider auf Wertgegenstände zu durchsuchen, die toten Körper hinauszubefördern und die Gaskammern zu reinigen. Eigentlich sind diese Bilder und Szenen nicht zu verkraften. Und dennoch gelingt es László Nemes, dem ungarischen Regisseur jüdischer Herkunft, eine adäquate Herangehensweise und Erzählhaltung zu finden. Alle Ereignisse werden strikt aus der Perspektive der Hauptfigur gezeigt. Wer sich auf dieses Werk einlässt, erlebt eine Hommage an die Opfer, die es so im Kino noch nie gegeben hat.

Charles Martig, Medientipp

«Son of Saul» («Saul fia») Ungarn 2015, Regie: László Nemes, Besetzung: Géza Röhrig, Urs Rechn, Todd Charmont. Verleih: Agora Films Sàrl. www.kinohoudini.ch

Ausstellung

Längst hat sich der Begriff «Quilt» von der Bezeichnung der im Amerika der Kolonialzeit entstandenen wärmenden Steppdecke zum Namen für kreative und innovative Kunstwerke aus Stoff gewandelt. Trudy Kleinstein und Edith Bieri gehören zu den Schweizer Quilt-Meisterinnen und stellen gemeinsam in den Friesenberger Kirchen aus. Ihre Werke überraschen mit ungewöhnlichen Motiven und Farbkombinationen und zeugen von künstlerischer und handwerklicher Kreativität und Liebe zum Detail.

Beatrix Ledergerber

«Artquilts von Trudy Kleinstein und Edith Bieri»
2. bis 10. April 2016
Kapelle St. Theresia Kirche und Kirchgemeindehaus Friesenbergkirche, Zürich
Öffnungszeiten: täglich 11 bis 17 Uhr
www.kleinstein-quilts.com
www.quiltsundmehr.ch

Die Vernissage zur Ausstellung findet am 2. April um 11 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus an der Schweighofstr. 239, Zürich, statt.