Ferien ermöglichen

Spass und Besinnung, für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und Freiwillige: die Behindertenseelsorge bietet eine ganz besondere Ferienwoche.

«Jemand streift ein Klangspiel, so dass liebliche Töne erklingen, eine Triangel wird geschlagen oder man legt zusammen mit dem Assistenten etwas Symbolisches vor den Altar.» Marianne Federer beschreibt eine Morgenmeditation aus der Ferienwoche der Behindertenseelsorge. Die Seniorin mit einer cerebralen Lähmung strahlt, wenn sie von dieser Woche im letzten Jahr in Delémont erzählt.

21 Feriengäste mit intellektuellen und körperlichen, leichten bis mehrfachen Behinderungen, sowie 14 Assistentinnen und Assistenten erlebten lustige und besinnliche Momente, schlenderten durchs Städtchen, absolvierten eine Olympiade, liessen Heissluftballons steigen, malten, genossen das gesellige Zusammensein. «Dass Behinderte und Assistenten auf gleicher Augenhöhe zusammen unterwegs sind, bedeutet mir viel», sagt Marianne Federer. «In Wohnheimen oder anderen Institutionen erleben wir dieses liebevolle Zusammensein nicht immer», ergänzt sie nachdenklich.

Die Behindertenseelsorge Zürich ermöglicht Ferien für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen.

Die Behindertenseelsorge Zürich ermöglicht Ferien für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Foto: Markus Signer/zvg

Behinderte und Assistenten sind auf gleicher Augenhöhe zusammen unterwegs.

Behinderte und Assistenten sind auf gleicher Augenhöhe zusammen unterwegs. Foto: Markus Signer/zvg

Das Helfer-Syndrom ist bei der Behindertenseelsorge out.

Das Helfer-Syndrom ist bei der Behindertenseelsorge out. Foto: Markus Signer/zvg

1 | 1

«Die Woche ist für uns Assistentinnen und Assistenten auch eine religiöse Weiterbildung», meint Lydia Brunner. «Man kommt froh und erfüllt nach Hause.» Die seit kurzem pensionierte Bankangestellte ist durch ihre intellektuell behinderte Schwester auf die Ferienwoche gestossen: «Meine Schwester macht begeistert bei den Angeboten der Behindertenseelsorge mit.» Das Besondere an dieser Woche: «Nicht nur die Assistenten unterstützen die Gäste, sie helfen sich auch untereinander und werden eine Gemeinschaft.» So habe ein intellektuell beeinträchtigter Mann mit Stolz einen Rollstuhl geschoben, und eine psychisch behinderte Frau getraute sich, Klavier zu spielen, und hat alle erfreut. 

«Das Wichtigste ist die innere Haltung, dass wir unsere Gäste als selbstbestimmte, eigenständige Persönlichkeiten ansehen und nicht als arme Hilfsbedürftige. Wir beziehen ihre Ressourcen immer mit ein und nehmen uns Zeit zum Hören, was unser Gegenüber will. Das Helfer-Syndrom ist bei uns out!», lacht Anna Wörsdörfer. Die Theologin mit Zusatz-Ausbildung in Heilpädagogik leitet die jährliche Ferienwoche mit grosser Begeisterung und bringt viele kreative Ideen ein. «Jeder Mensch hat einen unversehrten, heiligen inneren Kern!», betont sie.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

AssistenInnen gesucht

Für die Ferienwoche vom 18. bis 25. Juni braucht es neue freiwillige Assistenten. Interessierte melden sich zum Erstgespräch: 044 360 51 45
anna.woersdoerfer@behindertenseelsorge.ch