Wollt ihr ein Bistum Zürich?

Bischof Vitus Huonder möchte wissen, wie die Angestellten seiner Diözese über ein mögliches Bistum Zürich denken. Aus diesem Grund hat er eine Umfrage lanciert. Simon Spengler aus Zürich und Martin Kopp aus der Urschweiz nehmen dazu Stellung.

Was wären wichtige Änderungen für die Zürcher Katholiken, wenn sie ein eigenes Bistum hätten?
Simon Spengler:
Der Bischof wäre näher bei den Menschen, im urbanen Zentrum Zürich. Die Anliegen der Zürcher Katholiken würden ganz anders wahrgenommen. Umgekehrt könnte sich die Kirche viel besser einbringen, ihre Stimme würde in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen, denn Zürich ist nun einmal die Wirtschafts- und Medienmetropole der Deutschschweiz. Voraussetzung wäre natürlich, dass ein Zürcher Bischof dialogbereit wäre und in der Kirchenbasis die nötige Akzeptanz hätte.

Hätte ein eigenes Bistum Zürich auch finanzielle Konsequenzen?
Simon Spengler: Da sind noch viele Fragen offen, etwa jene, wie es mit den Urschweizer Kantonen weitergehen würde. In Zürich selber gäbe es wenig Veränderungen, denn strukturell haben wir jetzt bereits ein Generalvikariat. Die Bürokratie könnte man daher schlank halten. Neu wäre einfach das eigentliche Bischofsamt.

Was würde ein eigenes Bistum Zürich für die Urschweizer Kantone bedeuten?
Simon Spengler: Dies würde wohl die Frage nach einem Bistum Innerschweiz wieder aufwerfen, zu dem dann auch unter Umständen Luzern gehören würde. Aber sowohl das Bistum Basel wie auch die Luzerner Kirche haben bereits abgewinkt. Die Luzerner möchten wegen der Mitsprache bei der Bischofswahl beim Bistum Basel bleiben.
Denkbar wäre vielleicht auch, dass die Kantone der Urschweiz bei Chur blieben oder zum Bistum Zürich dazukämen. Was für finanzielle Konsequenzen ein eigenes Bistum Zürich für die anderen Bistumskantone hätte, kann ich im Einzelnen nicht sagen. Zürich zahlt viel an übergeordnete Institutionen wie die Römisch-Katholische Zentralkonferenz, aber zum Beispiel auch an die Theologische Hochschule Chur. Einen verbindlichen Finanzausgleich unter den Bistumskantonen gibt es heute nicht. Auch darüber könnte in einem späteren Schritt in geeigneter Form gesprochen werden.

 

Wie stehen Sie als Generalvikar der Urschweiz einem allfälligen Bistum Zürich gegenüber?
Martin Kopp:
Zunächst konnte und kann ich nicht verstehen, dass man in Zürich die Frage nach einem eigenen Bistum ausgerechnet in einer Phase lanciert hat, da unser Bistum in grossen Schwierigkeiten steckt. Man löst nichts, indem man das Territorium eines Bistums verändert, da es nicht in erster Linie um strukturelle Fragen, sondern viel mehr um personelle geht.
Dass man in Zürich die Frage eines Bistums Zürich in der Vergangenheit immer wieder diskutiert hat, ist verständlich. Es wurde aber immer neu festgestellt, dass man diese Frage nur im Rahmen von gesamtschweizerischen Lösungen sehen kann, und sicher nicht ohne die anderen Bistumskantone.
Es werden wenige etwas dagegen haben, dass es in Zürich einen Bischof gibt. Vorausgehend muss aber die Frage gestellt werden: Was geschieht in diesem Fall mit den andern Teilen des Bistums? Immerhin ist dieses Bistum Chur 200 Jahre lang eine Solidargemeinschaft gewesen, damit wohl auch eine Schicksalsgemeinschaft. Daraus stiehlt man sich nach meinem Empfinden nicht einfach weg.

Was für Konsequenzen hätte ein eigenes Zürcher Bistum denn für die Urschweizer Kantone?
Martin Kopp:
Die Urschweizer Kantone wären bei einer solchen Loslösung viel mehr auf sich allein gestellt, auch in Fragen des Personals. Heute schon kann für die «Randgebiete» viel weniger Personal gefunden werden. Doch zusammen mit Zürich kann ein gewisser, immer noch prekärer Ausgleich gefunden werden. Das entfiele dann.
Es ist kaum vorstellbar, dass die verbleibenden Restgebiete des Bistums Chur ein sinnvolles Ganzes ergäben. Vor allem besteht wenig Zusammenhang zwischen Graubünden und den Urkantonen, kulturell, geschichtlich, strukturell. Dieser Rest würde in zwei ungleiche Teile zerfallen, was umso mehr Konflikte zeitigen würde. Zürich bildet das «Scharnier», bildet die Klammer für das übrige Bistum, in einem gewissen Sinn auch das Zentrum. 

Text: Sylvia Stam/kath.ch

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Simon Spengler ist Bereichsleiter Kommunikation und Kultur bei der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

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Martin Kopp ist Generalvikar des Bistums Chur für die Urschweiz.