Sankt Antonius, bitt für uns

Auch Zürich hat seinen Wallfahrtsort: Die Antoniuskirche von Egg empfängt jeden Dienstag Pilger von nah und fern.

Pilgern kommt vom lateinischen Wort peregrinari – in der Fremde sein. Menschen machen sich aus ihrem vertrauten Heim auf den Weg. Sie gehen oder fahren an einen für sie wichtigen Ort, um zu beten, zu bitten, zu danken, um Kraft zu schöpfen.

«Es gibt viele Kraftorte in der Schweiz, aber Egg ist ganz speziell.» Die Augen von Reto Cavelti leuchten, wenn er über die Kirche in Egg und ihren Patron, den hl. Antonius von Padua, erzählt. Seit etwa 15 Jahren kommt er jeden Dienstag aus Meilen in die Wallfahrtskirche. Der aus Graubünden stammende Pensionär hat einen Enkel, dem es oft nicht gut geht. Und wenn Herr Cavelti wieder nach Egg gepilgert war, ginge es dem Enkel häufig besser, berichtet er.

In der Antoniuskurche in Egg finden Pilger Ruhe und Kraft.

In der Antoniuskurche in Egg finden Pilger Ruhe und Kraft. Foto: Oliver Sittel

Votiv- und Danktafeln zeugen von den Menschen, die in Egg Hilfe gesucht und gefunden haben.

Votiv- und Danktafeln zeugen von den Menschen, die in Egg Hilfe gesucht und gefunden haben. Foto: Oliver Sittel

Pfarrer Alfred Suter feiert mit Pilgern Gottesdienst und spricht ihnen Gottes Segen zu.

Pfarrer Alfred Suter feiert mit Pilgern Gottesdienst und spricht ihnen Gottes Segen zu. Foto: Oliver Sittel

Die Antoniuskirche strahlt für Pfarrer Suter etwas aus, das die Pilger besonders anspricht.

Die Antoniuskirche strahlt für Pfarrer Suter etwas aus, das die Pilger besonders anspricht. Foto: Oliver Sittel

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Die Votiv- und Danktafeln, mit denen die Wände am Aufgang zur Empore übersät sind, zeugen von vielen Menschen, die sich auf den Weg nach Egg zum hl. Antonius gemacht haben. Mal aus der Umgebung, mal von weiter weg. Pfarrer Alfred Suter, der an diesem Dienstagnachmittag den Gottesdienst mit den Pilgern feiert, berichtet von Bussen aus der ganzen Schweiz, die nach Egg kommen. Aus dem Wallis, der Ostschweiz, dem Bündnerland, der Innerschweiz. Besonders am Antoniustag, dem 13. Juni, sei die Kirche für alle Besucher fast zu klein.

Im Jahr 1925 wurde Egg zur Pfarrei erhoben und erhielt einen eigenen Pfarrer. Anton Bolte war aber sehr krank und man gab ihm nur noch wenig Zeit zu leben. Bolte versprach, sich der Seelsorge und der Verehrung des hl. Antonius, zu widmen, sollte er noch etwas mehr Zeit bekommen. 27 Jahre konnte er noch arbeiten und wirken. Egg erhielt eine Reliquie des Heiligen. Und Heilungen, die auf Gebetserhörungen zurückgeführt wurden, liessen die Pilgerzahlen schnell ansteigen. Die Kirche wurde vergrössert, ein Pilgerheim gebaut.

Pfarrer Suter überlegt zudem, ob es nicht auch die spezielle Art der Kirche sei, die die Leute anspricht. Von aussen ist sie mit Holzschindeln abgedeckt, innen wirkt das viele Holz heimelig und strahlt Intimität aus. Man kommt sich vor wie in der Stube eines alten Bauernhauses. Suter sagt, dass man sich nicht verloren oder fremd fühle, auch wenn nur wenige Besucher hier sind. Denn Pilger sind nicht nur «in der Fremde», sondern finden Heimat.

Text: Oliver Sittel