Chancen für junge Mütter

Dank dem Angebot «Amie Zürich» des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks Zürich fasst Sandra Funk Fuss in der Berufswelt.

Mehrere Schulwechsel, wenig Unterstützung, schlechte Noten und immer weniger Selbstvertrauen – schlechte Voraussetzungen, um eine Lehrstelle zu finden. Als Sandra Funk vor fünf Jahren Mutter wurde, hatte sie noch keine Ausbildung und blieb vorerst bei ihrem Kind zuhause. Doch dann will sie arbeiten, für sich und ihre Tochter aufkommen.

Sie sucht nach einem Job, auch über Facebook. Und hier antwortet ihr jemand: «Melde dich bei Tisha Philip von ‹Amie Zürich›.» Dieses Angebot des Schweizerischen Arbeiterhilfswerkes SAH unterstützt junge Mütter beim Berufseinstieg.

Praxisausbildner Daniel Fässler ist begeistert 
von der Selbständigkeit und Motivation seiner Auszubildenden.

Praxisausbildner Daniel Fässler ist begeistert von der Selbständigkeit und Motivation seiner Auszubildenden. Foto: Foto: Christoph Wider/forum

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Zuerst habe die Sozialhilfe das Programm nicht bezahlen wollen, sagt die junge Frau. «Sie haben mir nicht zugetraut, dass ich das durchziehe.» Doch dieses Mal gibt sie nicht auf. Sie nimmt jeden Morgen an den «Amie»-Gruppenstunden teil, wo sie Schulstoff repetiert, realistische Ausbildungen ins Auge fasst und Unterstützung beim Schreiben von Bewerbungen bekommt. ¨

Gemeinsam mit anderen jungen Frauen in der gleichen Situation wird auch über Erziehungsfragen und über die Rolle als berufstätige Mutter diskutiert. Nun übernimmt die Sozialhilfe die Kosten für das einjährige Programm, nach dessen Abschluss Sandra Funk eine Lehrstelle zur «Fachfrau Betriebsunterhalt EFZ» findet.

Sie beginnt in einem katholischen Pfarreizentrum, wo jedoch nach kurzer Zeit ihr Praxisausbildner kündigt, weshalb sie nicht bleiben kann. Noch einmal hat sie Glück: Als Lehrling im Berufslehrverband Zürich kann sie bald nach Horgen wechseln, wo jemand die Lehre abgebrochen hat.

«Sandra hat ein Kind und führt einen Haushalt, das merkt man», rühmt Hauswart Daniel Fässler. «Man muss sie nicht motivieren oder gar antreiben wie die jungen Lehrlinge.» Sandra sehe die Arbeit: «Wenn sie fertig ist, merkt sie selber, was noch ansteht. Wenn ich frei habe, schreibe ich ihr einen Arbeitsplan und sie übernimmt selbständig. In der Schule ist sie die Drittbeste der Klasse!», sagt der Praxisausbildner stolz.

Die beiden gehen nach draussen, wo Sandra neben dem Spielplatz mit Jäten beginnt. «Ich liebe diese Arbeit, es ist immer wieder anders, als man erwartet. In einem Kirchenzentrum ist so viel los – man unterschätzt die Kirchen, die biete ja so vieles!», sagt die junge Frau begeistert.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH wurde vor 80 Jahren gegründet und besteht heute aus neun unabhängigen Regionalvereinen.Es engagiert sich für Erwerbslose und Migrantinnen.