Kulturtipps

Wir empfehlen den Film «Wild» und stellen drei Bücher vor.

Kino

Die junge Ania arbeitet als IT-Spezialistin in einer Agentur, wird von ihrem Chef schikaniert und von allen anderen ignoriert. Keine nennenswerten Bindungen, keine ersichtlichen Dinge, an denen ihr Herz hängt. Bis sie eines Abends auf dem Nachhauseweg im angrenzenden Waldstück einen Wolf sieht.

Fortan geht ihr das Tier nicht mehr aus dem Kopf und sie beschliesst, es einzufangen und in ihrer kleinen, tristen Hochhauswohnung einzusperren. Durch das Zusammenleben mit dem Wildtier nimmt Ania vermehrt animalische Züge an und wird plötzlich von ihrer Umwelt registriert.

Schauspielerin und Regisseurin Nicolette Krebitz verknüpft surreale Szenen und Traumsequenzen mit einer realen Handlung. Das ist ungewöhnlich, experimentell, provokativ und verstörend. Eine herausragende Parabel über das Menschsein und die Identitätsfindung.
Sarah Stutte, medientipp

«Wild» Deutschland 2016. Regie: Nicolette Krebitz. Besetzung: Lilith Stangenberg, Georg Friedrich, … Verleih: Praesens Film. Ab 28. April im RiffRaff Zürich

 

 

Bücher

«Gegeneinander – Nebeneinander – Miteinander»
Dass unser Generalvikariat nicht nur für Zürich, sondern auch für Glarus zuständig ist, vergessen wir meist. Umso verdienstvoller und interessanter ist es deshalb, was Haymo Empl in seinem Buch zusammengetragen hat. Seine Geschichte des Verhältnisses von Reformierten und Katholiken im Kanton Glarus liest sich spannend und ist gerade für Zürcher und ihre Geschichte erhellend. Dem ehemaligen langjährigen Synodalen und Personalverantwortlichen der Kirchgemeinde Winterthur geht es dabei nicht um eine Ab- oder Aufrechnung, sondern darum aufzuzeigen, wie verschiedene Konfessionen vom Gegeneinander zum Miteinander finden können.

Haymo Empl, 168 Seiten. 2015. Das Buch ist für 30 Franken (inkl. Versandkosten) direkt beim Autor erhältlich: Haymo Empl, Dättnauerstr. 32b, 8406 Winterthur.

«Kein Pardon auf Montmajour» 
Es ist nur ein schmaler Roman, der aber viel Stoff bietet: Mit den fiktiven Figuren des Miniaturenmalers Hanno und der gelehrten Gemma von Urslingen, Gesandte Karls I. von Anjou, tauchen wir ins 13. Jahrhundert ein. Es ist das Jahrhundert des offenen Machtkampfs zwischen Papst und Kaiser, aber auch das Jahrhundert, in dem sich Judentum, Christentum und Islam zu einem fruchtbaren Dialog treffen und das Jahrhundert des Staufenkaisers Friedrich II. – es ist das «hohe» Mittelalter. Xaver Stalder gelingt es, historische Fakten und fiktive Handlung so zusammenzufügen, dass daraus eine ebenso erhellende wie unterhaltsame Geschichtslektion wird, die so manches Vorurteil über das «finstere» Mittelalter ausräumt und zeigt, dass gerade das 13. Jahrhundert viel aktueller ist, als wir das meist annehmen.

Xaver Stalder, novum premium 2015. 146 Seiten. ISBN 978-3-903067-19-6.

«Die Gedanken sind frei – Leidenschaft für das Mögliche»
Die Dominikanerin Ingrid Grave bringt nicht nur in Titel und Untertitel ihres Buches das Visionäre mit dem Pragmatischen zusammen. In kurzen Texten nähert sie sich ohne Pathos den Festen im Kirchenjahr und den ganz alltäglichen Glaubensfragen, die gleichzeitig auch die ganz grossen Lebensfragen sind. Man spürt bei der Lektüre, dass diesem Buch ein Leben an Erfahrung, Studium und Nachdenk- lichkeit zu Grunde liegt. Aber dieses Fundament ist so selbstverständlich, dass die Texte, die darauf aufbauen ohne «Pomp und Gloria» auskommen. Auch die überraschenden Beispiele, die provokativen Zugänge und die zupackende Sprache wirken dadurch nicht aufgesetzt.

Ingrid Grave, Paulusverlag 2015.  127 Seiten. ISBN 978-3-7228-0865-9.

 

Zusammenstellung: Thomas Binotto

Text: Redaktion forum