SOS Narrenschiff: Bloss Deko?

Sakramente sind keine Produkte, die sich losgelöst von der kirchlichen Gemeinschaft konsumieren lassen.

Das Konsumentenmagazin K-Tipp gibt seiner Leserschaft Tipps zum reibungslosen Kirchenaustritt bei gleichzeitiger Wahrung der sakramentalen Grundversorgung. Abgesehen davon, dass der Beitrag schludrig recherchiert ist, verbreitet er ein abstruses Sakraments- und Kirchenverständnis.

Ich versuche – auch wenn’s schwer fällt – mir meinen Kirchenaustritt vorzustellen. Was hat mich wohl so weit gebracht? Um meine Phantasie anzuregen, greife ich auf häufig genannte Gründe zurück: verstaubte Moralvorstellungen, unglaubwürdige Kirchenvertreter, skandalöse Vorgänge, zentralistisches Patriarchat – oder ein Glaube, den ich nicht mehr teilen will und kann.

Was auch immer schliesslich den Ausschlag gibt: der Kirchenaustritt ist ein Bruch, eine Trennung. Es ist deshalb ziemlich schräg, diesen «Verein» danach ausgerechnet an den Nahtstellen des Lebens dann doch wieder als Dienstleister auf Zeit in Anspruch zu nehmen.

Wer der kirchlichen Gemeinschaft die Solidarität aufkündet aber weiterhin die sakramentale Grundversorgung beziehen will, der hat nicht verstanden, was Sakramente bedeuten. Sakramente sind nicht Produkte eines Dienstleistungsbetriebs. Man kann sie deshalb auch nicht als Kunde nach Bedarf ordern und bezahlen. Vor allem aber sind Sakramente keine Privatsache.

Wenn das so wäre, bräuchte es dafür keine Kirche. Im Katechismus der katholischen Kirche heisst es klipp und klar, dass Sakramente «die Gemeinschaft im Glauben in der Kirche zum Ausdruck bringen» und dass «die Kirche die Sakramente feiert».

Wer also tauft, zur Eucharistie geht, sich firmen lässt, wer heiratet, selbst wer beichtet, der tut dies in der Kirche und mit der Kirche. Sakramente zu empfangen, aber nicht Teil der Kirche sein zu wollen, ist deshalb schlicht unmöglich.

Das bedeutet nicht, dass die Kirche nicht auch für Menschen ausserhalb der Kirche da sein will und soll. Sie kennt beispielsweise seit Jahrhunderten die Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke besuchen, Gefangene besuchen, Tote bestatten.

Das ist eine lange Liste von Werken, auf welche man die Kirche auch als Nicht-Mitglied behaften darf und kann. Das Ambiente für gediegene Privatfeiern bereitstellen, das gehört allerdings nicht dazu. 

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Text: Thomas Binotto