Grenzen überwinden

«Cuisine sans frontières» bringt seit über zehn Jahren weltweit die unterschiedlichsten Menschen an einen Tisch – auch in der Schweiz. Frieden geht bei den «Küche ohne Grenzen»-Projekten buchstäblich durch den Magen.

Braten, garen und flambieren für den Sieg – das tun an diesem Abend das Kochteam des Maison Manesse und die Equipe Hotel Piz Linard in einem Saal in der Roten Fabrik in Zürich. Über 150 Gäste wohnen mit dem «Kitchen Battle» einem ungewöhnlichen gastro-kulturellen Anlass bei, an dem zwei Kochteams gegeneinander für einen guten Zweck antreten.

Der gesamte Erlös des «Battle» fliesst in die Projekte von «Cuisine sans frontières». Die Kochzutaten werden von Unternehmen gespendet, die Teams arbeiten unentgeltlich.

Initiator ist David Höner, der am «Kitchen-Battle» an einem der Tische sitzt. Für diesen Event, der schon zum achten Mal hier stattfindet, ist er eigens aus Ecuador angereist, wo er mit seiner Frau seit 1994 lebt. Von ihm wurde der gemeinnützige Verein «Cuisine sans frontières» (Csf) mit Sitz in Zürich vor über zehn Jahren gegründet. Der Zürcher ist kein normaler Koch. Höner hat schon als Schriftsteller, Catering-Unternehmer und Tangotänzer gearbeitet. «Er ist ein Selfmademan, der anpackt, was andere für unmöglich halten», sagt eine Freundin über ihn.

Der Gründung von «Cuisine sans frontières» ging eine tiefe Erkenntnis David Höners voraus: Als der Vielreisende während des Bürgerkrieges in Kolumbien weilte und dort in einem Dorf die Sprachlosigkeit und Vereinsamung der Menschen untereinander wahrnahm, da es nirgendwo mehr eine Kneipe gab, wuchs in ihm eine Mission: Mit gastronomischen Treffpunkten Orte schaffen, an denen sich Menschen – auch verfeindete – nach Kriegen oder Katastrophen begegnen und wieder austauschen können.

Für David Höner war eine Mahlzeit schon immer mehr als nur reine Nahrungsaufnahme. Er sagt: «Gemeinsames Essen kann ein starker sozialer Kitt sein. Beginnt der zu bröckeln, ist das oft der Anfang eines Konfliktes.» Frieden geht bei ihm buchstäblich durch den Magen. Die soziale Komponente, das Rituelle und das Verbindende werden für den Zürcher in der Wahrnehmung oft vernachlässigt – trotz des aktuellen Kochbooms.

In der Roten Fabrik sind Info-Tafeln ausgestellt, die über die Projekte von «Cuisine sans frontières» informieren. Von Beginn an hat der Verein mit lokalen Fachleuten zusammengearbeitet. «Die Dorfbewohner sollen lernen, regionale Gerichte zuzubereiten, damit sie später eigene Beizen aufbauen können», sagt David Höner, der Anhänger der Slow-Food-Bewegung ist. Auf den Tafeln kann man vom ersten Projekt in San José in Kolumbien erfahren, wo David Höner 2006 erstmals zusammen mit lokalen Partnern eine Gemeinschaftsküche für die Verpflegung von Kindern und Alten aufbaute. Das Projekt ist heute selbsttragend.

Aus den über 160 000 Franken, die der «Kitchen Battle» einbringt, wird ein grosser Teil nach Ecuador fliessen: Seit Mai 2016 ist auf dem Río Napo das Csf-Schiff im Einsatz. Seit in einem der artenreichsten Gebieten der Welt, dem Yasuni-Nationalpark, Erdöl gefunden wurde, drohen die Indigenen ihre Lebensgrundlage zu verlieren.

An diesem Punkt setzt das Projekt von «Cuisine sans frontières» an: Erstens, indem die indigenen Einwohner zu Gastgebern ausgebildet werden, und zweitens, indem mit regelmässigen festlich-gastronomischen Treffen die Gemeinschaft zwischen den indigenen Stämmen gefördert wird.

Als Partner vor Ort konnte David Höner die katholische Kirche gewinnen. Der 61-Jährige sagt: «Kirchliche Organisationen im Napo-Gebiet sind für uns wichtige Partner – sie sind seit vielen Jahren vor Ort aktiv und haben sehr gute Kontakte zur indigenen Bevölkerung.»

 

Text: Vera Rüttimann, kath.ch