Vom König, der zu spät kam

Am 6. Januar feiern wir die Heiligen Drei Könige. Aber haben Sie schon einmal etwas vom vierten König gehört? In Effretikon wurde seine Geschichte erzählt.

In der voll besetzten Kirche St. Martin Effretikon spielten und sangen am vierten Advent Kinder und Erwachsene die Geschichte vom vierten König: Anders als die drei Könige, die geradewegs nach Bethlehem gingen und rechtzeitig zur Geburt Jesu kamen, schaute der vierte König auf dem Weg nach rechts und links und sah das Elend seiner Zeit, das ihn nicht unberührt liess. Weil er sich darum kümmerte, kam er erst dreissig Jahre später zu Jesus und sah ihn nicht mehr in der Krippe, sondern als Gekreuzigten.

Gespannt verfolgt das Publikum den langen Weg der Könige bis zum Jesuskind.

Gespannt verfolgt das Publikum den langen Weg der Könige bis zum Jesuskind. Foto: Oliver Sittel

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Die Musical-Fassung dieser Geschichte hat die Gemeindeleiterin von St. Martin Effretikon, 
Monika Schmid, für ihre Pfarrei angepasst und Regie geführt – nicht zum ersten Mal. Mit Nicole Sommer, Martina Zimmerli, Caroline Schmausser und Petra Steinemann hatte sie diesmal grosse Hilfen. Es galt den etwa 80 Personen, die am einstündigen Musical beteiligt waren, die Aufgaben und Positionen zuzuweisen. Geprobt wurde seit Ende Oktober. Wie die junge Vanja Caplazi erzählt, war es aber nicht nur anstrengend: «Das Proben war sehr lustig. Wenn was passierte, war es nicht schlimm. Wir konnten immer miteinander lachen.»

An beiden Abenden waren die Kirchenbänke voll besetzt. Das ist – wie die Geschichte über den vierten König auch – aussergewöhnlich. Jugendarbeiterin Nicole Sommer zählt die Ziele dieses Gemeinschaftsprojekts auf: Eingebettet in den 3.-Klass-Unterricht, machten auch die jüngeren Klassen mit, dazu eine Jazztanzgruppe, ein Orchester und einzelne Erwachsene. Der Inhalt des Stücks wird im neuen Jahr im Unterricht verarbeitet. Dabei geht es einerseits um die biblische Geschichte, andererseits wird auch soziales Engagement zum Thema gemacht.

Einen sozialen Zweck hatten auch die beiden Aufführungen, denn die Einnahmen wurden je zur Hälfte dem Kinderspital in Bethlehem und der Holy Child School gespendet, an der Monika Schmid zwei Monate mitgearbeitet hat: «Es ist eine Schule für Kinder aus ganz, ganz schwierigen Verhältnissen. Zum Teil traumatisiert oder lernbehindert.» So hatten die Musical-Darstellerinnen und -Darsteller nicht nur Spass am Projekt und miteinander, sondern sie wussten auch, dass sie sich für andere Kinder einsetzen.

Text: Oliver Sittel