Mail aus Abu Dhabi

Martin Stewen über die internationale Küche in der Schweiz und in Abu Dhabi.

Ich liebe internationale Küche. In Zürich arabisch oder indisch essen zu gehen, heisst für mich immer auch, auf Reisen zu gehen, mich mit Freunden zu einem kleinen Fest niederzulassen.
Mit diesen Erfahrungen im Hinterkopf habe ich mich vor mehr als anderthalb Jahren auch hier in Arabien an den Tisch gesetzt. Um es vorwegzunehmen: Mein Verhältnis zur fremdländischen Küche hat sich grundlegend gewandelt. Nicht, dass ich nicht mehr gerne meine Lieblingsspots in Zürich aufsuchen würde. Aber fein exotisch essen zu gehen und einen entspannten Abend bei solcher Küche zu geniessen, ist eben doch etwas anderes, als wenn diese Küche zum «täglich Brot» wird.

Mein Lebensumfeld ist zunächst hauptsächlich durch die indische (Ess)Kultur geprägt. Ein indisches Curry is(s)t definitiv was vom Feinsten – aber zum Zmorge? Ja, genau: zum Zmorge. Und dann auch zum Mittag- und zum Abendessen. Das muss man mögen (lernen). Oder man entwickelt kluge Essstrategien. Auch ein Abend beim Libanesen ist was anderes als immer wieder ein Tisch voll mit Mezze und Lamm. Wer jetzt meint, hemmungslos schlemmen zu können, kriegt auf Dauer ein Problem. Es war nicht gerade einfach, ich habe länger pröbeln müssen. Aber allmählich kehrte doch der Genuss wieder zurück. Hilfreich hierbei ist auch die europäisch geprägte Bischofshausküche: mal Rösti mit Geschnetzeltem, Ghacktes mit Hörnli – dann nicht nur aus arabischer Sicht sehr exotisch.

Es ist wie immer: Aufs rechte Mass kommt’s an und auf die richtige Einstellung.

Text: Martin Stewen

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Martin Stewen (45) ist Priester der Diözese Chur und arbeitet seit 2015 im Apostolischen Vikariat Südarabien.