Vielfalt aushalten

Menschen aus Indien, Eritrea oder Brasilien leben den gleichen katholischen Glauben vielfältig. Samuel Behloul vom Zürcher Institut für interreligiösen Dialog zeigt innerkirchliche Dialogfelder auf.

Die bunten, lebhaften Gottesdienste katholischer Eritreer, Inder oder Brasilianer werden als Zeugnis lebendigen Glaubens und Bereicherung für die eher nüchterne, alteingesessene Kirche erlebt. Gleichzeitig entstehen Spannungen beim gemeinsamen Nutzen von Kirche und Pfarreizentrum wegen unterschiedlicher Vorstellungen von Pünktlichkeit und Sauberkeit. Über inhaltliche Differenzen redet man schon gar nicht: «Für Christen aus Regionen, in denen sie wegen ihres Glaubens Verfolgung erleben, ist die Kirche ein Ort der Freiheit. Dass man diese kritisiert, ist für sie unverständlich», sagt Samuel Behloul, der neue Fachleiter Christentum beim Zürcher Institut für den interreligiösen Dialog (ZIID), dem früheren «Zürcher Lehrhaus». 

Umgekehrt haben Schweizer Christen Mühe mit der Hierarchiegläubigkeit und dem als unkritisch erlebten Glauben in Migrantengemeinden. «Mit dem Imam der benachbarten Zürcher Moschee kommen manche Pastoralschaffende oft besser zurecht als mit den Mitgliedern der fremdsprachigen Mission in der eigenen Kirche», weiss Behloul, der vorher drei Jahre als Nationaldirektor der bischöflichen Kommission Migratio tätig war, wo es um die Seelsorge für Katholiken aus anderen Kulturen geht. «Es ist eine Frage der Zukunft unserer Kirchen, ob es uns gelingt, migrationsbedingte Vielfalt zu gestalten», ist der katholische Theologe und Islamwissenschaftler überzeugt. Das heisst, die unterschiedlichen Glaubenserfahrungen von Menschen anderer Religionen wie auch der eigenen Konfession wahrnehmen und aufgrund der Situation im Herkunftsland verstehen: «Katholische Tamilen sehen den Buddhismus anders als wir Schweizer, denn sie erlebten ihn auf Sri Lanka als Staatsideologie, die nicht buddhistische Minderheiten unterdrückte.» 

Auf die innerkirchliche Vielfalt sind deshalb auch die neuen Angebote im Fachbereich Christentum des ZIID ausgerichtet. «Unsere Kirche ist nicht nur aufgrund der Migration vielfältig – wie gut wir mit dieser und der gesamtgesellschaftlichen Vielfalt umgehen können, davon hängt unsere Zukunft ab», ist Behloul überzeugt.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

Sa, 12. März
Rundgang im Zentrum für Migrationskirchen
Zürich

Fr, 5. Mai, 19.00
Vortrag «Eine Schweiz, viele Christentümer»
ZIID, Kulturpark, Pfingstweidstrasse 16, 8005 Zürich

Fr, 12. Mai, 9.30–17.00
Tagung «Viele Gesichter einer Weltreligion»
ZIID, Kulturpark, Pfingstweidstrasse 16, 8005 Zürich

So, 28. Mai
Besuch der syro-malabarischen Gemeinschaft
St. Theresia, Zürich

www.ziid.ch