In Serie: «Occupied»

Eine norwegische Fernsehserie bietet einen spannenden Einblick in die Mechanismen der Machtpolitik.

Norwegens Regierung setzt ganz auf alternative Energie und stellt deshalb die Ölförderung ein. Das passt weder der EU noch Russland. Und so wird Norwegen mit dem Segen der EU von den Russen besetzt und gezwungen, die Ölförderung wieder hochzufahren.

Dieses Gedankenspiel hat sich der Krimiautor Jo Nesbø ausgedacht. Und daraus wurde die norwegische Fernsehserie «Occupied».

Wie viele Kompromisse soll der norwegische Ministerpräsident eingehen, um einen Krieg zu verhindern? – Wo geht bei einem Journalisten die Trennlinie zwischen Berichterstattung und Aktivismus durch? – Wie verhält sich eine Wirtin, deren Restaurant dank der Russen floriert? – Kann ein Sicherheitsexperte seinem Land dienen, indem er mit der Besatzung zusammenarbeitet?

Wie von skandinavischen Fernsehproduktionen gewohnt, setzt «Occupied» nicht auf Action und exzessive Gewalt, sondern auf vielschichtige Entwicklungen, psychologische Glaubwürdigkeit und sozialen Realismus. Und gewinnt unmittelbare Brisanz, da wir uns weder in Osteuropa noch im Nahen Osten befinden, sondern «vor der Haustüre» im biederen Norwegen.

«Occupied» ist ein Szenario. Aber nichts daran scheint weit hergeholt. Das macht diese Serie – von der gerade eine zweite Staffel produziert wird – so packend und manchmal auch beunruhigend.

Text: Thomas Binotto

Angebot laufend

«Occupied»

Norwegen 2015. 10 Folgen à 45 Minuten.
Auf DVD und BluRay erhältlich.