Zwang zum Hungern

Wer immer wieder zu viel oder zu wenig isst, leidet womöglich an einer Essstörung. Ein Verein hilft, wieder herauszufinden – auch Sandra Meier*.

Die gepflegte junge Frau lädt ein in ihre Wohnung. Sandra Meier* ist bereit, über ihre Essstörungen zu sprechen. Sie hat sich für deren Überwindung Hilfe beim Verein Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen (AES) geholt.
Schlank und gesund wirkt die Frau, die Problematik ist ihr nicht anzusehen. Akut war sie im Jahr 2013. In einem Skilager habe sie sich unwohl gefühlt und zurückgezogen, erzählt Meier. Dabei sei sie sich ihres seit längerem unkontrollierten Essverhaltens bewusst geworden. Mal ass sie extrem viel, dann wieder wenig. Um das viele Essen zu kompensieren, betrieb sie viel Sport.

Gemeinsam mit einer Kollegin suchte sie Hilfe und fand AES. Die dortige Beraterin empfahl ihr eine Ernährungsberatung und eine Selbsthilfegruppe. Das tat Meier ein halbes Jahr lang. «Bei der AES hatte ich erstmals das Gefühl, verstanden zu werden», erzählt sie. Was sie erlebte, bekam einen Namen: Bulimie. «Nun konnte ich daran arbeiten.»
Die Ernährungsberaterin empfand Meier als grosse Hilfe. «Sie betreute mich ganzheitlich, ich fühlte mich sehr geschätzt.» Die Beraterin empfahl ihr, ein- bis zweimal pro Woche ein warmes Essen zuzubereiten und die Freizeit vielfältiger zu gestalten.

Auch die Selbsthilfegruppe brachte der jungen Frau «Heilung», wie sie sagt. Die rund sechs bis zehn Frauen im Alter zwischen 20 und 30, die sich regelmässig trafen, suchten gemeinsam nach Lösungen für ihre zeitweilige Essgier und sprachen übers Frausein, den Umgang mit Stress und Familienfragen. Hier erfuhr Meier, dass viele wie sie früher magersüchtig gewesen waren. Sie fing an, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, und las dazu viele Bücher.
Das Problem wachse sich heraus, sagt Meier zu ihrem aktuellen Befinden. Sie hat die Freude am Kochen entdeckt und ist gnädiger mit sich selber geworden.
Meier ist kein Einzelfall. Die Schweiz liegt mit 3,5 Prozent von Essstörungen Betroffenen über dem europäischen Schnitt von 2,5 Prozent, wie auf aes.ch zu lesen ist. Das Problem tauche immer häufiger auf.

*Name geändert

Text: Regula Pfeifer

Angebot laufend

Sozialdiakonischer Beitrag

AES profitierte im vergangenen Jahr von

20 000 Franken, welche die Katholische Kirche im Kanton Zürich im Rahmen der dritten Tranche ihrer sozialdiakonischen Beiträge zum 50-Jahr-Jubiläum auslöste – über drei Jahre verteilt insgesamt 900 000 Franken.