Editorial

«Around the world» im Kanton Zürich? Aber ja doch. Katholisch heisst nicht umsonst weltumfassend.

Wenn sich Seelsorger unterschiedlichster Hautfarben und Kopfformen zur Konzelebration um den Altar der Kirche Don Bosco an der Zürcher Feldstrasse versammeln und ihr babylonisches Sprachengewirr in der lateinischen Choralmesse aufgeht, dann bin ich wieder mal ganz angekommen. 

Mitten in meiner Kirche, an der ich eines ganz besonders liebe: ihre kulturelle Vielfalt, welche die ganze Welt umspannt. Ohne diese Vielfalt ist meine Kirche gar nicht denkbar. Nicht für mich und auch nicht für die Verantwortlichen aus 22 Zürcher Migrationsmissionen, die sich am 20. Januar zu ihrer Jahrestagung getroffen haben. In ihren Missionen bringen sie auch die ganze Welt zu uns: ein Stück Lateinamerika, Asien, Afrika oder Süd- und Osteuropa mitten in Zürich. Gut ein Drittel der katholischen Bevölkerung in unserem Kanton stammt aus anderen Ländern und Kulturen. Das sind weit über 100 000 katholische Gläubige, die eine andere Sprache sprechen.

Eine gute Gelegenheit, auf Weltreise zu gehen. In den Missionen lässt sich wie bei uns so einiges an lebendigem Christsein entdecken: Gottesdienste voller Dynamik und Hingabe. Leidenschaftliche Spiritualität und eine unverstellte Lebendigkeit des Glaubens. Junge Menschen, die die Kirchen füllen. Menschliche Wärme. Traditionen und Geschichten, die uns in ihren Bann ziehen und bereichern.

Genauso, wie wir die Migrantinnen und Migranten mit unserer Begegnung bereichern. Und wir uns dann vielleicht alle zusammen ein wenig verändern. Das ist die grosse Herausforderung. Wo wir sie annehmen, entwickelt sich aus dem Zusammenwachsen von Christinnen und Christen verschiedener Sprachen, Nationen und Kulturen eine vom Pfingstgeist getragene Kirche der Zukunft. – Mitten in Zürich.