Editorial

Donald Trump und Twitter ist eine Kombination, die nicht nur über den US-Präsidenten viel aussagt.

Nun werden wir also zu jeder Tageszeit mit Tweets aus dem Weissen Haus versorgt. Mit Schreihals-Botschaften à 140 Zeichen voller GROSSBUCHSTABEN, Superlative und wild gestreuter Satzzeichen.

Selbstverständlich kann man über Twitter auch nett und versöhnlich kommunizieren. Aber wir sollten uns dennoch Marshall McLuhan (1911–1980) und seine These «Das Medium ist die Botschaft» ins Gedächtnis rufen. Also frage ich mich: Hat nicht bloss Trump sein Medium gefunden – sondern auch das Medium seinen Trump?

Ich bin überzeugt, dass Twitter strukturell ein Medium des Sendens und nicht des Empfangens ist. Während ich immer nur einen Tweet aufs Mal absetzen kann, kann ich potentiell unzählige Tweets gleichzeitig empfangen. Früher oder später werde ich gar nicht mehr so viel zuhören können, wie von mir erwartet wird. Was dann bleibt, ist das Senden. Das Sammeln von Followern und Retweets.

In diese Überforderung geraten wir zwar durch sämtliche elektronischen Kommunikationsmittel. Twitter fügt dem aber verschärfend die Beschränkung im Umfang, den Zwang zum Auffallen und den damit verbundenen Temporausch hinzu. Twitter giert nach dem eruptiven Schlagwort. Es lässt keine Zeit, besonnen nachzudenken, und keinen Raum, differenziert zu argumentieren.

Ich mag nicht abstreiten, dass Twitter ein nützliches Medium sein kann. Aber ein Medium des Dialogs und des Zuhörens – darauf lege ich mich fest –, das ist Twitter nicht. Wir selbst müssen das soziale Medium sein, ganz ohne Elektronik. Wir selbst sind die Botschaft. Und in Kalendersprüchen à 140 Zeichen lässt sich das Evangelium nicht fassen.

PS: Ich bin in dieser Frage selbstverständlich inkompetent, weil ich über keinen Twitter-Account verfüge.