Kein Land zum Leben

Palmöl-Konzerne pflanzen in Indonesien immer mehr Ölpalmen an. Das bedroht die Existenz der lokalen Bevölkerung: Ihnen fehlt das Land zum Leben.

Es ist eine holperige Fahrt bis zur Familie von Pak Aby Lei in Sungai Kelik im Südwesten von Kalimantan. Der Weg führt vorbei an riesigen Feldern mit Ölpalmen, bis dicht an ihr Holzhaus. Die Plantagen werden von Bumitama, einer grossen Firma im indonesischen Palmölgeschäft, betrieben.

Tausende Hektaren Wald hat der Konzern in den letzten Jahren abgeholzt und Millionen von Ölpalmen gepflanzt. «Ohne Begründung haben sie uns 36 Hektaren Land weggenommen und Ölpalmen angepflanzt», erzählt Pak Aby. Seither kämpfen er und seine Verwandtschaft um ihr Land.

Das Vorgehen in Sungai Kelik ist kein Einzelfall. Auch Marselus Alek aus Ulak Pauk klagt: «Der Palmöl-Konzern kam in unser Dorf ohne uns zu informieren. Nie suchten sie unsere Zustimmung. Unser Dorf liegt mitten in der geplanten Plantage, sie stehlen uns unsere Landrechte.» Allein in der Provinz Westkalimantan besitzen mehr als 400 Palmöl-Konzerne eine Bewilligung für Plantagen. Zusammen mit Firmen für Holzschlag und Bergbau beanspruchen sie über 5,5 Millionen Hektaren Land, rund 85 Prozent der gesamten Provinz.

Die Kultur und die traditionelle Lebensweise der lokalen Bevölkerung wird damit verdrängt, ihre Lebensgrundlage vernichtet. «Wir haben unseren Fall nach Disbun zur Forstschutzbehörde gebracht. Doch bis heute haben wir keine Antworten erhalten», erzählt Aby Lei. Derweil wachsen die Ölpalmen der Plantage um sein Haus jedes Jahr etwa einen halben Meter höher.

Wo zwischen den kleinen Ölpalmen heute noch Maniok und Gemüse wächst, wird bald ein düsteres Blätterdach den Boden überdecken. Da ist an Landwirtschaft zum Anbau für das tägliche Essen nicht mehr zu denken. Kommt hinzu, dass auf den Plantagen viel Dünger und Hilfsstoffe eingesetzt werden und regelmässig alles Unterholz weggeräumt wird. Tiere finden kaum mehr Nahrung und Schutz.

Besonders erschreckend an dieser fatalen Entwicklung ist, dass auch Schweizer Banken beteiligt sind. Fastenopfer und Brot für alle fordern deshalb die Banken auf, keine Projekte mitzufinanzieren, welche die Rechte der lokalen Bevölkerung missachten.

Wie wichtig das eigene Land für die Bevölkerung ist, verdeutlicht der 87-jährige Abay Janggut, der in Sungai Utik in Westkalimantan wohnt: «Die Erde ist unsere Mutter, der Wald unser Blut und unser Atem. Wenn du dein Land an das Unternehmen gibst, heisst das, dass du dich selber tötest, denn du wirst dein Land für immer verlieren.»

Text: Urs Walter, Brot für alle

Angebot laufend

Geld gewonnen, Land zerronnen

Ohne Rücksicht auf die lokale Bevölkerung werden in Indonesien und andernorts Ölpalm-Plantagen angelegt. Dagegen wenden sich Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein mit der Ökumenischen Kampagne 2017. Wo sich Monokulturen über Quadratkilometer ausbreiten, fehlt der Raum fürs Leben: ohne Boden keine Nahrungsmittel. Auch Schweizer Banken und Pensionskassen mischen mit. 

Sie sollen solche Geschäfte aufgeben und ihre Verantwortung für die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt wahrnehmen, fordern die drei Entwicklungsorganisationen. 

Die Aktion Neuland macht den Verlust von Land für die Ernährung anschaulich: Viele Paletten in Pfarreien und Kirchgemeinden sollen während der Kampagne bepflanzt werden – Blumen oder Gemüse bringen Leben auf öde Flächen. Bewährter Begleiter der Ökumenischen Kampagne ist auch 2017 der Fastenkalender. In dieser Zeit sammeln Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein Spenden, zum Beispiel mit dem Verkauf von Rosen. Daraus werden wie jedes Jahr Projekte der Werke unterstützt, die vielen Menschen Hoffnung und Mut machen. 

Ökumenische Kampagne 2017
1. März bis 16. April
Rosenverkaufstag: 25. März 2017 

www.sehen-und-handeln.ch