Sternennacht

In der Kirchgemeinde Balgrist verbinden sich Kunst und Theologie in einer Veranstaltungsreihe.

Donnerstag, Ende Januar, kurz vor 19 Uhr: Feierabendverkehr in Zürich Balgrist, zahlreiche Frauen und Männer gehen zielstrebig auf die reformierte Kirche zu. Auf eine Leinwand im Chor ist die «Sternennacht» von Vincent van Gogh projiziert. In wenigen Minuten wird Kunsthistorikerin Sonja Kreis das 1889 in der Nervenheilanstalt von Saint-Rémy entstandene Gemälde in den kunstgeschichtlichen Zusammenhang stellen, während Pfarrer Christoph Strebel eine theologische Deutung ergänzt. 

Seit eineinhalb Jahren besteht das ökumenische Angebot «Kunst und Theologie» bereits. Es ist eine Zusammenarbeit der Erwachsenenbildung der reformierten Kirchgemeinde Balgrist mit Theologen aus der reformierten Kirchgemeinde  Neumünster und der katholischen  Kirchgemeinde St. Anton.

Thematisiert werden alte Meister genauso wie Werke der Moderne. Rembrandt, Mark Rothko, Fischli-Weiss und jetzt van Gogh – überall finden sich religiöse Bezüge – sofern sie der Betrachter zu lesen weiss. «Wenn wir unser theologisches Basiswissen verlieren, verstehen wir auch einen Grossteil der Kunst nicht mehr», erklärt Christoph Strebel. Diesem kulturellen Verlust entgegenzuwirken und gleichzeitig Glaubensinhalte zu vermitteln, ist für den Theologen das Hauptanliegen der Veranstaltungsreihe.

Und was bedeutet Sonja Kreis die Theologie? «Als Kunsthistorikerin komme ich um die Theologie nicht herum. Die Bildsprache des Christentums ist eines der Fundamente der europäischen Kunstgeschichte. Mich interessiert auch, ob und wie ein Gemälde aus dem Mittelalter heute noch ‹gebraucht› werden kann. Und mich beschäftigt die Funktion von zeitgenössischer Kunst: Es heisst, Museen seien die Kathedralen von heute, und ich denke, dass heute Menschen in der Kunst etwas finden, was andere in der Religion finden oder früher gefunden haben.»

Van Goghs Sternenhimmel ist in Aufruhr. Trost wie im Mittelalter spendet er nicht mehr. Zeigt sich in den Wirbeln ein neues göttliches Gesetz? Pfarrer Christoph Strebel lässt die Antwort offen.

Text: Pia Stadler

Angebot laufend

Do, 30. März, 19.00–20.00 Uhr
Adrian Paci «Home to go»
Deborah Favre, Kunsthistorikerin, und Andreas Rellstab, katholischer Pfarrer

Do, 29. Juni, 19.00–20.00 Uhr
Rembrandt «Die Opferung Isaaks» 
Monique Karrer, Kunsthistorikerin, und Konrad Schmid, Professor für Altes Testament

Kirchgemeinde Balgrist, Lenggstrasse 75, Zürich