Stolperstein «Teufel»

«Scher dich zum Teufel!» Wer hat nicht schon einmal jemand mit diesen Worten aus dem Haus komplimentiert, wenn gar keine andere Wahl mehr blieb? Oder: Wer hat sich nicht schon geärgert über den neu aufgehängten Busfahrplan, der immer noch voller Fehler war, denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Während uns der Teufel in der Alltagssprache relativ leicht über die Lippen geht, ist er theologisch ein wahrhafter «Stolperstein». «Glaubst du an den Teufel?» – diese Frage ist für manche Christen erstaunlich wichtig. Für meinen persönlichen Glauben ist sie ehrlich gesagt nicht zentral, anders aber die Frage: Wie erkläre ich das Böse in der Welt?

Judentum, Christentum und Islam haben das Phänomen des Bösen von jeher mit der Gestalt des Teufels personal erklärt. So nimmt auch die Bibel einen personalen Urheber des Bösen an, denn Satan und Dämonen waren für antike Menschen in der Regel real existierende Wesen. Für uns heutige Menschen stellen sich drei Alternativen, wie wir mit diesem Weltbild umgehen. 

Erstens können wir dieses Denken teilen, dann lassen sich Teufel und Dämonen auch heute personal verstehen. Dass die Katholische Kirche mit dem «Exorzismus» eine rituelle Vertreibung böser Mächte und Geister als «Heilungsdienst» anbietet, kommt zwar jedem aufgeklärten Zeitgenossen anachronistisch vor.

Erklärbar ist diese Praxis aber dadurch, dass sie nicht vom Bösen als Prinzip, sondern vom Bösen als Person ausgeht. Aber auch davon, dass sie durch das Gebet bezwungen werden kann: Schliesslich wird auch in jeder Taufliturgie die dreimalige Absage an das Böse und den Bösen vollzogen.

Zweitens ist es möglich, den Teufel als zeitbedingte Vorstellung der Antike ad acta zu legen. Schliesslich geht ja auch niemand mehr vom ptolemäischen Weltbild aus, nur weil dieses zahlreiche Texte der Bibel geprägt hat, die wir bis heute lesen.

Drittens lässt sich mit gleicher Begründung behaupten, dass in diesem Weltbild überzeitlich nachvollziehbare Erfahrungen bewahrt werden, die auch heutigen Menschen das nicht erklärbare Böse zu erklären versuchen.

Schlussendlich zielt der Versuch, das Böse mit dem Begriff «Teufel» zu erfassen, an dessen Wesen vorbei. Benennung ist die Voraussetzung für Beherrschen. Und das Böse zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es sich nicht beherrschen lässt. Daher fallen ihm gerade die zum Opfer, die meinen, es kontrollieren zu können. 

Text: Christian Cebulj, Professor für Religionspädagogik und Katechetik