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Ausgesiebt?

Viele heute noch gebräuchliche Sprichwörter und Redensarten stammen aus der Bibel und nehmen ihre Bildhaftigkeit aus dem Alltagsleben. So auch das «Trennen der Spreu vom Weizen».

«Wie die Spreu, die der Wind verweht» – die Bibel ist voller Sprachvergleiche und viele setzen sich mit dem Gegensatzpaar «beständig/vergänglich» auseinander. Die Vergänglichkeit wird häufig mit den Gottlosen in Verbindung gebracht – man erachtete wohl ihre Art der Lebensführung damals als nicht so gewissenhaft oder fundiert. Gottesfürchtigkeit war damals eng mit solidem Gemeinschaftssinn verbunden.

Viele Ausdrücke in den biblischen Schriften lassen sich erst richtig verstehen, wenn man die biblische Welt im Hintergrund kennt. Diese Welt ist Teil des Mittelmeerraums und Teil des Vorderen Orients. Nur wer die Sprachbilder des Orients kennt, hat eine Chance, das orientalische Schriftprodukt, das wir Bibel nennen, gut zu verstehen.

Auf das «Trennen von Spreu und Weizen» folgt das Aussieben. Auch hier geht es um beständig versus vergänglich. Dabei ist wiederum der ländliche Charakter des Bildes höchst aufschlussreich: Sieben oder Aussieben ist verbunden mit Selektion. Die Korngrösse des zu siebenden Gutes wird genau bestimmt. Damals gab es einen doppelten Siebevorgang: zunächst mit einem Grobsieb, bei dem die Körner hindurchfielen, und danach mit einem Feinsieb, bei dem die Körner im Sieb zurückgehalten wurden.

Wenn der Prophet Amos vom Aussieben der Völker mit einem Grobsieb (!) spricht, bedeutet dies: Die Gottgetreuen kommen durch und werden nicht vom Sieb zurückgehalten.


Text: Florian Lippke

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Siebe aus dem Palästina des 20. Jh. (E 2009.2)

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