Bruder-Klaus-Gedenkjahr

Dorotheas Perspektive

Ohne seine Frau Dorothea gäbe es keinen Heiligen Bruder Klaus. Fünf «Tondi» setzen ihr Leben ins Bild.

Wenn Pfarrer Max Kroiß auf dem Weg in sein Büro die Türe zum neuen Kirchgemeindehaus-Anbau öffnet, ist er mit dem letzten farbigen Rundbild der Künstlerin Flavia Travaglini konfrontiert: Dorothea, die Frau von Bruder Klaus, kniet am Boden und umarmt in Trauer und Liebe ihren toten Mann. Dem Gang entlang bis ins Sekretariat rollt sich für ihn das Leben dieser aus-sergewöhnlichen Frau von hinten her auf: Sie besucht ihren Mann in der einsamen Klause, nimmt mit dem jüngsten Kind im Arm Abschied, Familienleben auf dem Hof, das erste Kind. Blumen und Farben entsprechend den vier Jahreszeiten – im fünften Bild, beim Tod von Bruder Klaus, ist wieder Frühling – sowie Szenen von «Werken der Barmherzigkeit», die für Niklaus von Flüe so wichtig waren, prägen die Bilder.

«Ich bin überrascht vom grossen, positiven Echo auf die ‹Tondi›», sagt Pfarrer Kroiß. Nicht nur die Tageszeitungen berichteten, auch persönliche Briefe von Menschen, die von den Bildern berührt wurden, bekam der Pfarrer. «Auf dem Weg in ihr Unti-Zimmer kommen die Kinder hier durch den Gang – und diskutieren miteinander, was sie auf den Bildern sehen», freut sich Kroiß.  An der Einweihungsfeier am 5. Februar, mit Festgottesdienst und Erläuterungen von Klara Obermüller zu den fünf «Tondi», war die Kirche voll.

Eine besondere Beziehung zu Niklaus und Dorothea von Flüe hat Pfarrer Max Kroiß, der als Spätberufener Theologie studiert, als Pastoralassistent gearbeitet und 2009 – ein Jahr nach dem Tod seiner Frau – zum Priester geweiht wurde. «Als Bayer war mir Bruder Klaus unbekannt», erzählt er. Doch in den Ferien im Engadin berührte ihn das bekannte Bruder-Klaus-Lied «Mein Herr und mein Gott…».

Dass sein Weg ihn nun in eine Bruder-Klaus-Kirche geführt hat, freut ihn besonders. Ein Betonglasfenster mit der überlebensgrossen Gestalt des Heiligen und seinem Meditationsbild (das vom Vater der «Tondi»-Künstlerin, Peter Travaglini, entworfen wurde) sieht er in jedem Gottesdienst. Im Eckstein der Kirche ist ein Relief mit dem Siegelring von Niklaus von Flüe sichtbar, im Hauptaltar sind Reliquien des Heiligen eingelassen. Die schwerste der fünf Kirchenglocken ziert der Spruch: «Beter und Büsser Bruder Klaus, sorge für Fried im Schweizer Haus.» Mit den Rundbildern über Dorothea ist nun ein weiterer wichtiger Aspekt im Leben des Kirchenpatrons sichtbar geworden.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

Die «Tondi» können besichtigt werden:

Mo bis Mi und Fr, 9.00–11.00 Uhr
Do, 15.30–17.30 Uhr
oder nach Anmeldung.