Mail aus Abu Dhabi

Gute Reise!…?

Kennen Sie diesen netten Sticker «Fahr nicht schneller, als dein Schutzengel fliegen kann»? Nun,
unmittelbar, wenn man den Flughafen Dubai oder Abu Dhabi verlässt, wird einem schlagartig klar, dass Schutzengel hierzulande Knochenarbeit leisten.

Der Islam kennt den Schutzengel übrigens genauso wie das Christentum. Hier sind Engel aus Licht erschaffene Wesen, die ihr Dasein damit verbringen, im Dienste Allahs zu stehen. Der oberste Engel ist Gabriel, denn die Erzengel teilen sich die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam weitestgehend.

Wer also über die Strassen der Emirate, die nahezu überall ausserordentlich gut ausgebaut sind, gefahren wird oder noch heikler: selber fährt, der wird schnell eine gute Beziehung mit seinem Schutzengel eingehen wollen. 

Natürlich gibt es Verkehrsregeln, aber die sind für Touristen oder Fahranfänger. Tatsächlich darf man auf den Strassen hier alles, man darf sich nur nicht erwischen lassen – so jedenfalls scheint mancher Fahrer und manche Fahrerin zu denken. Und natürlich gibt es Verkehrsbussen – und die sind satt: Wer ein wenig über das Geschwindigkeitslimit hinausschiesst, ist gleich mit hundertvierzig Franken dabei. Aber jene, die es sich leisten können, rührt das nicht wirklich.

Ich habe die Beziehung mit meinem Schutzengel sehr vertieft. Es hat sich aufgedrängt. Und es scheint zu nützen. Es ist bislang bei zwei demolierten Kofferraumhauben geblieben. Innerhalb von vier Monaten.

Text: Martin Stewen

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Martin Stewen (45) ist Priester der Diözese Chur und arbeitet seit 2015 im Apostolischen Vikariat Südarabien.