Marienverehrung im Libanon

Maria für Christen und Muslime

Am 25. März feiern wir «Mariä Verkündigung» – ein durch und durch katholisches Fest – könnte man meinen. Im Libanon ist es ein Staatsfeiertag: Christen und Muslime pilgern einträchtig zum Marien-Heiligtum «Unsere liebe Frau vom Libanon».

Zeina, unsere libanesische Freundin, fährt halsbrecherisch von der libanesischen Hauptstadt Beirut aus über kleine Strassen durch die Berge. Nach einer knapp einstündigen Fahrt, fast immer mit Blick auf das Meer, erreichen wir die grosse, moderne Basilika des Wallfahrtsortes Harissa. Daneben thront die weit herum sichtbare weisse Statue der Jungfrau Maria auf der Spitze eines Hügels. Zu ihr pilgern in langen Kolonnen schwarz eingehüllte Muslimfrauen aus dem Irak – Frauen mit und ohne Kopftücher – wunderschön gekleidete Liebespaare, die sich hier verloben – Schiiten genauso wie Sunniten – einheimische katholische Maroniten, Orthodoxe, sowie Christen anderer Konfessionen. Maria hat einen Platz in den Herzen der Menschen beider Religionen, in der Bibel wie im Koran.

Im November des vergangenen Jahres hat uns an der Beiruter Tagung «Journalismus und Migration» Ibrahim Chamseddine, Muslim und früher Minister für Verwaltungsentwicklung, erklärt, wie dieser seit eh und je von
Muslimen und Christen besuchte Wallfahrtsort das gemeinsam gefeierte Marienfest inspiriert hat. Seit 2007 organisieren Patres rund um das Beiruter Jesuiten-Kolleg am 25. März Dialogveranstaltungen für Christen und Muslime. Mitorganisiert von Mohamed Nokkari (sunnitischer Scheich) und Ibrahim Chamseddine sowie dem
ehemaligen Jesuiten-Provinzial Fadel Sidarouss, wurde daraus ein vom nationalen Fernsehen ausgestrahlter und von vielen mitgetragener Anlass mit Gebeten, Glaubenszeugnissen und Liedern. Unter dem Motto «Mit Maria gemeinsam unterwegs» schliessen sich ausgewanderte Libanesen in aller Welt jeweils zeitgleich den Gebeten an. Der grosse Erfolg dieser Veranstaltungen hat die Organisatoren ermuntert, sich beim Nationalen Komitee für Religionsfragen für das Fest Mariä Verkündigung als nationalen Feiertag einzusetzen. Seit 2009 ist das nun so – seit 2010 ist sogar schul- und arbeitsfrei.

«Im Libanon wächst eine neue marianisch inspirierte islamo-christliche Kultur heran», hat uns Chamseddine erklärt. Darin steckt Hoffnung, gerade angesichts alter und immer wieder aufflammender Spannungen unter den
politischen Vertretern dieser Religionsgemeinschaften und der immer präsenten Angst vor einem neuen Krieg.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

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25. März: Mariä Verkündigung

An «Mariä Verkündigung» wird der Besuch des Engels Gabriel bei Maria gefeiert, an dem er die Geburt Jesu verheisst (25. März: neun Monate vor Jesu Geburt am 25. Dezember). Muslime verehren Jesus als den letzten
Propheten vor Mohammed. Deswegen gehört Maria nach islamischer Auffassung als jungfräuliche Mutter Jesu zu den von Gott auserwählten Menschen.