Aus der Redaktion

Grenzen der Berichterstattung

Das forum als Zeitschrift für die Katholikinnen und Katholiken im Kanton Zürich will Konflikte in den Pfarreien nicht verschweigen. Es muss sich allerdings - zumal bei laufenden Verfahren - oft zurückhalten.

In der Pfarrei St. Felix und Regula (Zürich) wird im November 2015 die Gemeindeleiterin von der Kirchgemeindeversammlung abgewählt. Darauf folgt ein Rechtsstreit, in dem am 15. März 2017 das Bundesgericht ein Urteil erlässt: Die Rekurskommission der Katholischen Kirche im Kanton Zürich muss nun prüfen, ob es bei der Abwahl mit rechten Dingen zuging.

In St. Antonius (Egg) wird die Pfarrwahl vom 15. November 2016 angefochten. Die Rekurskommission weist diese Beschwerde vollumfänglich zurück. Daraufhin reicht der Beschwerdeführer eine weitere Beschwerde gegen Pfarrer und Kirchenpflege wegen verletzter Fürsorgepflicht ein.

Im Seelsorgeraum Andelfingen-Feuerthalen wird der Pfarrer «aufgrund persönlichen Fehlverhaltens» am 22. März 2017 kurz vor seiner Pensionierung mit sofortiger Wirkung freigestellt.

All diese Nachrichten können und konnten Sie im forum nachlesen. Sie finden dazu bei uns jedoch keine Hintergrundberichte. Die Gründe dafür sind mehrschichtig:

Zunächst handelt es sich in all diesen Fällen um laufende Verfahren. Das bedeutet, dass immer mindestens eine Seite des Konflikts an die Schweigepflicht gebunden ist. Eine faire Berichterstattung, die allen Beteiligten die Möglichkeit gibt, ihre Sicht darzustellen, ist dadurch ohne Verstösse gegen den Persönlichkeitsschutz praktisch unmöglich. 

Zudem ist die Versuchung für die Konfliktparteien gross, Medien für ihren «Kampf» zu instrumentalisieren. Bemühungen, Konflikte möglichst einvernehmlich zu lösen, benötigen jedoch Vertraulichkeit und werden durch eine mediale Öffentlichkeit, die sich womöglich noch parteiisch verhält, massiv erschwert, wenn nicht verunmöglicht.

Schliesslich stellen sich Konflikte bei differenzierter Betrachtung immer viel komplexer dar, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Die prägnante Schlagzeile und das klare Urteil fallen bei sorgfältiger Prüfung deshalb zunehmend schwer. Verdächtigungen mit dem Zusatz «es gilt die Unschuldsvermutung» zu versehen, ist lediglich
eine fadenscheinige Schutzbehauptung. Selbst nach einem Freispruch bleiben die Vorwürfe meist an den Verdächtigten hängen.

Unsere Leserinnen und Leser dürfen erwarten, dass im forum öffentlich gewordene Konflikte nicht verschwiegen werden. Auch Resultate der Verhandlungen und allfällige Urteile sollen im forum publiziert werden. Und selbstverständlich müssen wir uns den grundsätzlichen Fragen widmen, die sich angesichts von Konflikten immer wieder stellen. Aber selbst dann wird es keine Antworten geben, die ohne Wenn und Aber die eigene vorgefasste Meinung bestätigen und das Kirchenleben eindeutig in Schwarz und Weiss einteilen.

Text: Thomas Binotto, Chefredaktor forum