Bruder Klaus für heute

Aus der Unmöglichkeit, dem Wesen von Niklaus von Flüe mit einer Ausstellung gerecht zu werden, entwickelt sich ein Theater voller Spannung und Emotionen.

Das Ave Maria klingt noch im Raum, und schon sind wir mitten in einem Ehestreit. Es geht um eine Ausstellung, deren Zustandekommen kurz vor der Eröffnung noch unsicher ist, um Kinderbetreuung, Karriere und Auszeit.

Gekonnt ziehen die Schauspieler Annette Wunsch, Bodo Krumwiede und Ingo Ospelt die Zuschauenden in ihren Bann, die Figur des Niklaus von Flüe wird ebenso lebendig wie die drei, die im Stück an der geplanten Ausstellung über den Heiligen verzweifeln: Was kann man heute überhaupt noch über Bruder Klaus sagen, was von ihm zeigen?

Ingo Ospelt ist einer von drei Darstellern der «szenischen Recherche».

Ingo Ospelt ist einer von drei Darstellern der «szenischen Recherche». Foto: Christoph Wider, forum

Auch Bodo Krumwiede verzweifelt an der geplanten Ausstellung über den Heiligen.

Auch Bodo Krumwiede verzweifelt an der geplanten Ausstellung über den Heiligen. Foto: Christoph Wider, forum

Die sphärischen Klangfelder von Pudi Lehmann unterstützen und erweitern die Theaterszenen.

Die sphärischen Klangfelder von Pudi Lehmann unterstützen und erweitern die Theaterszenen. Foto: Christoph Wider, forum

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Eine noch halb eingepackte Bruder-Klaus-Statue, eine Holzbank, das bekannte Radbild des Heiligen sowie Klangschalen, ein Gong und eine grosse hängende Trommel – wenige Requisiten unterstützen die Dramatik und emotionale Spannung des Geschehens.

Nicht von ungefähr heisst das Stück im Untertitel «szenische Recherche». Es wurde nicht von einer Person geschrieben und dann von anderen aufgeführt, sondern gemeinsam entwickelt. Produzent Philippe Dätwyler von der reformierten Kirche des Kantons Zürich hat sich mit Regisseur Hannes Glarner und Bodo Krumwiede, der bereits früher den Innerschweizer Eremiten spielte, zusammengesetzt.

Gemeinsam haben sie die Grundlinien der Geschichte und die Charaktere gezeichnet, nach eingehender Lektüre verschiedener Bruder-Klaus- und Dorothea-Bücher. Der grundlegende Plot wurde erst im Januar dieses Jahres den Schauspielern vorgelegt. In Improvisationen tasteten sich diese an die Charaktere und die Geschichte heran.

«Der Regisseur schrieb mit, was die Schauspieler improvisierten. Diese Texte wurden überarbeitet, wieder geprobt und so weiterentwickelt. Die Endfassung trägt aber deutlich die Handschrift des Regisseurs», erklärt Dätwyler.

Sphärische und überraschende Klänge werden von Pudi Lehmann beigesteuert. «Ich habe noch nie in einem Theater mitgemacht», sagt der Klangkünstler. «Hier war von Anfang an eine gute Chemie, das Zusammenspiel von Handlung, Worten und Tönen ist faszinierend.»

Als die Situation ausweglos scheint, fällt der Satz: «Stillstand gehört zum Leben.» Welchen Ausweg die Figuren in der Geschichte finden, und in welchem Bezug das zum unüblichen Weg von Niklaus von Flüe und seiner Frau Dorothea steht – davon kann man sich überraschen lassen.

Text: Beatrix Ledergerber

Angebot laufend

«NIMM MICH MIR!»ist ein ökumenisches Projekt der reformierten, katholischen und christkatholischen Kirche Zürichs zum 600-Jahr-Jubiläum von Niklaus von Flüe.  

6. 5., 20.00/7. 5., 17.00,
Pfarreizentrum Liebfrauen, Zürich.
Das Stück kann von Kirchgemeinden und Pfarreien gebucht werden.