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Gerüche

Frühlingsduft erfüllt die Luft – Gerüche spielen auch in der Religion eine viel bedeutendere Rolle, als man gemeinhin denkt.

Das weiss auch der Volksmund, wenn er fragt, ob man «eine Person riechen kann». Gerüche in den Religionen wurden viel zu häufig unterschätzt. Inzwischen forschen Wissenschaftler, welche bewussten und unbewussten Kräfte mit Geruch verbunden sind. Menschliches Riechen ist von Bedeutung, aber auch im göttlichen Bereich hat die Nase ein Wörtchen mitzureden.

Die Bibel weiss zum Beispiel, dass Gott eine Nase hat. Man muss nur genau lesen, dann finden sich einige Belege. Die Nase dient zum Riechen des «lieblichen Geruchs» – dieser kann nach alttestamentlicher Tradition durch ein dargebrachtes Opfer hergestellt werden. Bei scheinheiligen, nicht ernst gemeinten Kulthandlungen gilt umgekehrt dann Gottes Ansage im Amosbuch: «Eure Opfer will ich nicht riechen.» Von den Götzen (also den falschen Göttern) wiederum wird ausgesagt, dass sie eine Nase haben, aber nicht riechen.

Dass in der biblischen Welt die göttliche Nase wichtig war, belegen schon die kompakten Basalt-Altäre, die man im Golan (Syrien) gefunden hat. Sie sind 7000 Jahre alt und oben (auf dem Kopf) werden Opfergaben deponiert. Die Gottheit (oder der göttliche Urahn) ist schon mit dabei – als Gesicht auf dem Altar. Die grosse, markante Nase zeigt das Ziel: Der liebliche Duft steigt in die Nase (vgl. Gen 8,21).

Text: Florian Lippke

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Basaltaltar aus Gilead um 4000 v. Chr.
Basaltaltar aus Gilead um 4000 v. Chr.

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