Editorial

Nachfolge gesucht

Am 21. April wird Bischof Vitus Huonder sein Rücktrittsgesuch einreichen. In der Suche nach einem Nachfolger kommt dem Nuntius eine Schlüsselrolle zu.

Diese Schlüsselrolle hat Thomas E. Gullickson zwar bei einem Treffen mit Priestern der Diözese Chur kleinzureden versucht. Tatsächlich ist der Konsultationsprozess, zu dem er verpflichtet ist, aber von zentraler Bedeutung.

Was auf den ersten Blick nicht sehr demokratisch wirkt, kann bei gutem Willen ausserordentlich volksnah und partizipativ gestaltet werden. Es steht ihm nämlich frei, sehr breit zu befragen und auch den Laien Gehör zu verschaffen. Er kann also tatsächlich herausfinden, welche Kandidaten im Bistum auf breite Akzeptanz stossen und wohl auch in einer Volkswahl bestehen würden.

Gullickson redet seine Rolle gerne klein und schiebt den Schwarzen Peter vorsorglich an Kardinal Kurt Koch weiter. Tatsächlich kommt diesem als Mitglied der Bischofskongregation eine wichtige Rolle zu – so er sie denn übernehmen will. Auf jeden Fall dürfte er als Kurienkardinal für das Resultat der Bischofswahl mitverantwortlich gemacht werden.

Ich kann Nuntius Gullickson und Kardinal Koch nur empfehlen, sich im Bistum Chur möglichst breit umzuhören. Sie würden dann nämlich erfahren, dass man hier keine übertriebenen Erwartungen an einen Bischof hat. Man wünscht sich in erster Linie einen Bischof, der Vertrauen und Zuversicht ausstrahlt, der integriert statt ausschliesst, der das Dach wieder weit spannt. Verheerend wäre es jedoch, wenn ein weiteres Mal ein Mann eingesetzt würde, der voller Misstrauen gegenüber seinen eigenen Brüdern und Schwestern auftreten würde. Die Begeisterung für Papst Franziskus zeigt deutlich, in welche Richtung die Hoffnungen der Gläubigen hierzulande gehen.

 

PS: Schreiben Sie dem Nuntius! Persönliche Zeugnisse haben ihre Wirkung. Seine Adresse lautet: Nuntiatur, Erzbischof Thomas E. Gullickson, Thunstr. 60, Postfach 259, 3000 Bern 6

Text: Thomas Binotto