Stolpersteine

«Unsterblichkeit»

Jesus hat nicht an die Unsterblichkeit der Seele geglaubt. – Eine solche Aussage über den Sohn Gottes klingt absurd. War nicht gerade er es, der den Menschen seiner Zeit die Hoffnung auf Leben nach dem Tod gab und den Tod sogar selbst besiegte?

Jesus war ein gläubiger Jude, der in seiner Haltung zum Jenseits den Pharisäern nahestand. Doch genau wie sie glaubte er wohl nur an die Auferstehung des Leibes und nicht an eine unsterbliche Seele. Eine vom Körper getrennte Seele war ein Gedankenmodell, das die Christen und die späteren Juden von den Griechen übernahmen.

Im Judentum Jesu trennte man den Körper aber nicht von der Seele. Man hoffte auf die Verwandlung des Leibes, also des ganzen Menschen durch Gott im Angesicht des Todes.

Heute hört man eher die umgekehrte Überzeugung. Esoterisch denkende Menschen glauben nicht an einen persönlichen Gott, aber an eine unsterbliche Seele, die zum spirituellen Wesen jedes Menschen gehört. Das geht für sie ohne Beziehung zu Gott.

Aber gerade das ist der Kernpunkt: Im Judentum und Christentum ist die Auferstehung immer mit der Liebe Gottes verbunden. Wir sind nicht «von Natur aus» unsterblich, sondern weil Gott uns rettet. Er behält uns in seinem Gedächtnis und erneuert uns mit einem unvorstellbaren Auferstehungsleib.

Mir fiel ein moderner Vergleich dafür ein, dass wir nicht grundsätzlich ewiges Leben besitzen. Es braucht dafür keine in sich unsterbliche Seele. Wir dürfen an die Seele glauben, aber es ist nicht unbedingt notwendig.

Mein Gleichnis geht so: Nehmen wir an, unser Smartphone wird aus Versehen zerstört. Sogar die Speicherkarte ist defekt und alle Daten darauf verloren. Ist dann alles vorbei?

Nein, die Erinnerungen können wiederhergestellt werden, falls sie in einem externen Speicher gesichert waren. Vielleicht hätte Jesus dieses Bild heute verwendet. Unser Körper ist darin wie das Smartphone und die Seele wie die Speicherkarte. Auch die Seele kann endlich und sterblich sein, wie Jesus wohl damals glaubte. Aber im liebenden Gedächtnis Gottes – quasi der Cloud – ist unser ganzes Wesen für immer bewahrt. Wir werden von ihm in der Auferstehung durch Beziehung gerettet.

Das ist für mich eine viel schönere Vorstellung als das Konstrukt einer in sich unsterblichen Seele. Mein persönliches Ostern nach dem Tod bedeutet, dass Gott die Verbindung mit mir nie abbricht. Er garantiert die Kontinuität zwischen Leben und Tod durch seine Liebe.

Text: Michaele Madu, Pastoralassistentin Katholische Pfarrei Volketswil