Editorial

Oster-Oase

Woran denken Sie beim Wort Oase? An rekordverdächtige Staus beidseits des Gotthards und an überfüllte Züge?

Oder vielleicht doch eher an ein Osterfeuer in der Pfarrei und die Orchestermesse in der festlich geschmückten Kirche?

Gemäss Wikipedia ist die Oase ein Vegetationsfleck in der Wüste, üblicherweise an einer Wasserstelle gelegen. Vom kleinen, von Dattelpalmen umgebenen Teich bis hin zu ganzen Städten nahe einer Quelle ist sie ein fruchtbarer Lebensraum mitten in einem lebensfeindlichen Umfeld. Hier begegnen sich Menschen, hier erblühen Handel und Kultur.

Während in der Oasenstadt das Leben pulsiert, bedeutet Oase für uns im übertragenen Sinn ein Ort der Ruhe und Entspannung, ein kleines Paradies, ein Fleck des Glücks. Hier öffnet sich ein Freiraum mitten im Dichtestress des Alltags.
Wir liegen im Schatten alter Bäume, lassen den Blick über Blumenbeete schweifen, lauschen dem Sprudeln eines Baches oder geniessen die Stille eines Kirchenraumes. Diese Oase lässt durchatmen, schafft Platz für Gedanken und Ideen. Auch sie ist ein kultureller Ort schlechthin.

Zentrum der Aktivität oder Ruheort – das ist nur auf den ersten Blick einer Widerspruch. Stets gewinnt die Oase ihre Bedeutung erst durch die Abgrenzung, sei es von der Wüste oder vom hektischen Alltag und seiner Routine. In jedem Fall ist sie der ganz andere Raum, ohne den gar nichts geht. Die Oase ist von existentieller Bedeutung, sie strukturiert das Leben.

Kirchliche Feiertage sind Oasen im Jahresverlauf – sofern wir sie nicht auf reine Freitage reduzieren, die es mit Freizeitaktivitäten zu füllen gibt.

Ostern ist vorbei – und damit auch Ostermesse wie Osterstau. Bald aber kommen Auffahrt und Pfingsten. Dann haben wir wieder die Wahl.

Text: Pia Stadler